Lohnenswert!
Was bedeutet es eigentlich, zwischen zwei Ländern, zwei Sprachen und in gewisser Weise auch zwei Identitäten zu leben? Alice Horáčková geht, -- ausgehend von ihrer eigenen Familiengeschichte -- auf knapp unter 900 Seiten dieser (und vielen weiteren) Frage nach und analysiert mit sozialer Tiefenschärfe die großen politischen Umbrüche des 20. Jahrhunderts.
Horáčková erzählt hingebungsvoll von Liebe und ihrer Abwesenheit, von Konfliktherden, familiären Zerwürfnissen und Handlungs(ohn)macht. Sie entsagt sich dabei Täter-Opfer-Zuschreibungen, findet differenzierte und feinfühlige Worte. Die Charaktere entwickeln sich, scheitern, sagen zu viel, schweigen, profitieren, verlieren und versuchen später, mit dem umzugehen, was sich als Ergebnis ihrer Entscheidungen herauskristallisiert.
Durch die hohe Seitenanzahl und die vielen Zeitsprünge habe ich den Text als doch eher herausfordernd, sicherlich aber als zeitaufwendig wahrgenommen. Der/Die Leser*in sollte bereit sein, sich auf die Welt, die Horáčkov entwirft, einzulassen, da einen die Wucht der Geschichte vermutlich sonst doch erschlägt. Ob es die knapp 900 Seiten am Ende tatsächlich gebraucht hat, kann ich für mich noch nicht mit Sicherheit sagen, sicher ist aber: Gelingt dieses Einlassen auf eine neue, für manche vielleicht unbekannte Welt, bekommt man hier gleich 2 zum Preis von einem: eine zeitweise wirklich ergreifende Familiengeschichte, sowie eine kritische und vor allem gut ausformulierte Analyse der politischen und gesellschaftlichen Gegebenheit der jeweiligen Handlungsräume, aus denen sicherlich jede*r noch einiges neues lernen kann. Ich bedanke mich für das Exemplar!
Horáčková erzählt hingebungsvoll von Liebe und ihrer Abwesenheit, von Konfliktherden, familiären Zerwürfnissen und Handlungs(ohn)macht. Sie entsagt sich dabei Täter-Opfer-Zuschreibungen, findet differenzierte und feinfühlige Worte. Die Charaktere entwickeln sich, scheitern, sagen zu viel, schweigen, profitieren, verlieren und versuchen später, mit dem umzugehen, was sich als Ergebnis ihrer Entscheidungen herauskristallisiert.
Durch die hohe Seitenanzahl und die vielen Zeitsprünge habe ich den Text als doch eher herausfordernd, sicherlich aber als zeitaufwendig wahrgenommen. Der/Die Leser*in sollte bereit sein, sich auf die Welt, die Horáčkov entwirft, einzulassen, da einen die Wucht der Geschichte vermutlich sonst doch erschlägt. Ob es die knapp 900 Seiten am Ende tatsächlich gebraucht hat, kann ich für mich noch nicht mit Sicherheit sagen, sicher ist aber: Gelingt dieses Einlassen auf eine neue, für manche vielleicht unbekannte Welt, bekommt man hier gleich 2 zum Preis von einem: eine zeitweise wirklich ergreifende Familiengeschichte, sowie eine kritische und vor allem gut ausformulierte Analyse der politischen und gesellschaftlichen Gegebenheit der jeweiligen Handlungsräume, aus denen sicherlich jede*r noch einiges neues lernen kann. Ich bedanke mich für das Exemplar!