Luft nach oben
In „Geteiltes Haus“ erzählt Alice Horáčková anhand der Familien Hollmann und Honců aus Benetzko die wechsel- und leidvolle Geschichte des Sudetenlandes zwischen dem späten 19. Jahrhundert und dem Ende des Zweiten Weltkrieges.
Der allwissende Erzähler, der gelegentlich Zukünftiges vorwegnimmt, wechselt kapitelweise den Fokus zwischen verschiedenen Personen, zumeist Mitgliedern der Familie, und begleitet sie durch die Jahrzehnte. Hierdurch entwickelte ich beim Lesen einen engeren Bezug zu den Figuren, und ich fand es sehr spannend, ihre Entwicklung mitzuerleben. Leider waren einige relativ einfach gezeichnet, so dass bereits im Kindesalter erkennbar war, wer später einmal Opportunist:in, Kriegsgewinnler:in, überzeugter Nazi, Widerständler:in oder Mitläufer:in werden würde.
Unangenehm war mir, dass gerade in der ersten Hälfte Sexualität sehr oft thematisiert wurde, insbesondere auch Nötigungen, die der Frau dann doch „gefielen“. Auch diverse spiritistische Sitzungen und das Hin und Her um die Dorfchronik haben mich weniger interessiert. Stattdessen hätte ich mir gewünscht, dass die Autorin mehr Hintergrundinformationen zu den politischen Ereignissen zwischen 1918 und 1939 eingeflochten hätte. Sofern das Buch vor allem tschechische Leser:innen als Zielgruppe hat, ist es wohl verständlich, dass die wichtigsten Geschehnisse dieser Zeit als Grundwissen vorausgesetzt werden. Bei einem internationalen Publikum wäre zumindest ein Anhang hilfreich gewesen (Heinlein-Bewegung, erste und zweite Mobilmachung im September 1938 etc.).
Aus der Danksagung lässt sich schließen, dass Alice Horáčková die Geschichte ihrer Familie als Grundlage genommen hat. Leider gibt es kein Nachwort, in dem die Autorin näher darauf eingeht, welche Begebenheiten real sind und welche fiktional. Auch Informationen zur Art ihrer Recherche (Archive? Zeitzeugengespräche?) wären sehr interessant gewesen. Ich habe letztlich ein Interview von ihr gefunden, das mir bei der Einordnung geholfen hat (Noble Notes Magazine).
Insgesamt lässt mich „Geteiltes Haus“ zwiegespalten zurück: Einerseits war es bereichernd, mehr über das Sudetenland zu erfahren und dieses Buch auch als Anstoß zu sehen, sich intensiver damit auseinanderzusetzen. Andererseits fand ich die Schwerpunktsetzung manchmal etwas unglücklich.
Der allwissende Erzähler, der gelegentlich Zukünftiges vorwegnimmt, wechselt kapitelweise den Fokus zwischen verschiedenen Personen, zumeist Mitgliedern der Familie, und begleitet sie durch die Jahrzehnte. Hierdurch entwickelte ich beim Lesen einen engeren Bezug zu den Figuren, und ich fand es sehr spannend, ihre Entwicklung mitzuerleben. Leider waren einige relativ einfach gezeichnet, so dass bereits im Kindesalter erkennbar war, wer später einmal Opportunist:in, Kriegsgewinnler:in, überzeugter Nazi, Widerständler:in oder Mitläufer:in werden würde.
Unangenehm war mir, dass gerade in der ersten Hälfte Sexualität sehr oft thematisiert wurde, insbesondere auch Nötigungen, die der Frau dann doch „gefielen“. Auch diverse spiritistische Sitzungen und das Hin und Her um die Dorfchronik haben mich weniger interessiert. Stattdessen hätte ich mir gewünscht, dass die Autorin mehr Hintergrundinformationen zu den politischen Ereignissen zwischen 1918 und 1939 eingeflochten hätte. Sofern das Buch vor allem tschechische Leser:innen als Zielgruppe hat, ist es wohl verständlich, dass die wichtigsten Geschehnisse dieser Zeit als Grundwissen vorausgesetzt werden. Bei einem internationalen Publikum wäre zumindest ein Anhang hilfreich gewesen (Heinlein-Bewegung, erste und zweite Mobilmachung im September 1938 etc.).
Aus der Danksagung lässt sich schließen, dass Alice Horáčková die Geschichte ihrer Familie als Grundlage genommen hat. Leider gibt es kein Nachwort, in dem die Autorin näher darauf eingeht, welche Begebenheiten real sind und welche fiktional. Auch Informationen zur Art ihrer Recherche (Archive? Zeitzeugengespräche?) wären sehr interessant gewesen. Ich habe letztlich ein Interview von ihr gefunden, das mir bei der Einordnung geholfen hat (Noble Notes Magazine).
Insgesamt lässt mich „Geteiltes Haus“ zwiegespalten zurück: Einerseits war es bereichernd, mehr über das Sudetenland zu erfahren und dieses Buch auch als Anstoß zu sehen, sich intensiver damit auseinanderzusetzen. Andererseits fand ich die Schwerpunktsetzung manchmal etwas unglücklich.