Tschechisch-deutsche Familiengeschichte mit erzählerischen Schwächen

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Der Roman bzw. Wälzer "Geteiltes Haus" hat insgesamt mehr versprochen, als er am Ende gehalten hat. Vor allem die vielen Figuren und ihre komplizierten Beziehungen untereinander machen den Einstieg in die Geschichte schwierig. Den Überblick über die handelnden Personen zu behalten fällt so nicht leicht und wirklich nah kommt man ihnen so auch nicht. Sie verbleiben leider etwas schablonenhaft und es fällt schwer Zugang zu ihrer Gedanken- und Gefühlswelt zu bekommen trotz der turbulenten Zeiten in denen sie lebten.

Dazu kommt die etwas bruchstückhafte Erzählweise. Die Autorin springt zwischen verschiedenen Perspektiven, männlichen und weiblichen Stimmen sowie spirituellen Szenen und Zitaten hin und her. Das ist zwar grundsätzlich interessant, wirkt hier aber oft unruhig und macht es schwerer den roten Faden nicht zu verlieren. Nach einem Kapitel weiß man manchmal schon kaum noch, was vorher passiert ist. Zwar kann man sagen, dass das Leben auch nicht immer gerade verläuft, für einen Roman ist das aber eher ein Nachteil. Auch verliert der Roman zur Mitte hin an Schwung und die Handlung plätschert so vor sich hin. Zudem wirkt das Ende trotz der großen Seitenanzahl etwas gehetzt und im Vergleich zu den vorherigen Kapitel fehlt es an inhaltlicher Tiefe.

Trotzdem hat das Buch inhaltlich einiges zu bieten. Die Autorin hat sich für ihre Romanchronik aus den Sudeten von ihrer eigenen Familie inspirieren lassen. Nach 1945 wurde ein Teil ihrer Verwandten vertrieben, ein anderer blieb zurück. Sie erzählt von den Schicksalen ihrer Vorfahren und davon, wie deutsche und tschechische Familien dort zusammenlebten, oft auch in Mischehen. Dabei wird deutlich, wie sehr politische und historische Ereignisse das private Leben beeinflusst haben. Besonders spannend ist, wie aus Freunden Feinde werden konnten und wie Familien daran auseinanderbrachen.

Genau darin liegt für mich die größte Stärke des Buches. Es zeigt tschechische Geschichte aus der Sicht einer echten Familie und wirkt dadurch sehr nah und ehrlich.
Inhaltlich ist das Buch auf jeden Fall lesenswert, auch wenn die Umsetzung nicht ganz überzeugen kann.