Die Bedeutung der Wurzeln
Alexandra-Maria Pipos hat alles gegeben und ein grandioses Debüt geliefert. Ehrlich gesagt hatte ich das Buch kaum auf dem Schirm und bin ohne große Erwartungen hineingegangen. Umso mehr hat es mich begeistert.
Schon das Äußere des Buches ist ein echter Hingucker. Das Cover mit dem Gemälde und die goldene Prägung des Namens der Autorin wirken hochwertig und machen neugierig auf die Geschichte.
Im Mittelpunkt steht Ioana, deren Eltern aus Rumänien stammen. Sie lebt in Deutschland und arbeitet in einer Consultingfirma, in der sich nahezu ihr gesamtes Leben abspielt. Ihr Alltag ist geprägt von Leistungsdruck, langen Arbeitszeiten und dem ständigen Gefühl, funktionieren zu müssen. Selbst ihre Umzugskartons stehen noch unausgepackt in der Wohnung, weil für alles außer der Arbeit kaum Platz bleibt. Als ihr Großvater stirbt, reist sie zur Beerdigung nach Rumänien. Dort prallen zwei Welten aufeinander: das durchgetaktete Arbeitsleben in Deutschland und die familiären Wurzeln, Traditionen und Rituale ihrer rumänischen Familie.
Gerade dieser Gegensatz ist für mich die große Stärke des Romans. Alexandra-Maria Pipos gelingt es hervorragend, Rumänien mit all seinen Farben, Gerüchen und Traditionen lebendig werden zu lassen. Ob die dreitägige Totenwache, die Begegnungen mit den zahlreichen Verwandten oder die Atmosphäre der Orte – beim Lesen hatte ich das Gefühl, mitten im Geschehen zu sein. Die Figuren sind so anschaulich beschrieben, dass ich sie sofort vor Augen hatte.
Besonders gefallen hat mir auch der Schreibstil. Er ist modern, flüssig und gleichzeitig sehr bildhaft. Erzählt wird aus Ioanas Perspektive, sodass man ihre Gedanken und inneren Konflikte intensiv miterlebt. Gleichzeitig lockern immer wieder humorvolle Szenen die Geschichte auf und sorgen dafür, dass der Roman trotz seiner ernsten Themen eine angenehme Leichtigkeit behält.
Ein erzählerisches Highlight waren für mich die eingeschobenen Kapitel, die sich auch optisch vom restlichen Text abheben. Hier kommen die Ikonen der rumänisch-orthodoxen Kirche zu Wort und beobachten die Figuren über Generationen hinweg. Dadurch erfährt man Dinge über Ioanas Familie, die sie selbst gar nicht weiß. Diese Perspektivwechsel fand ich unglaublich originell und bereichernd. Ebenso schön ist, dass immer wieder rumänische Sätze im Original stehen bleiben und direkt anschließend übersetzt werden. Das macht die Geschichte noch authentischer und vermittelt ein echtes Gefühl für die Sprache und Kultur.
Für meinen Geschmack bleibt die Geschichte etwas zu offen. Ich hätte Ioana gerne noch ein Stück auf ihrem weiteren Weg begleitet und erfahren, wie sie mit den Veränderungen und den Erkenntnissen aus ihrer Reise umgeht. Gerade weil mir die Figur so ans Herz gewachsen ist, hätte ich mir hier einen etwas stärkeren Abschluss gewünscht.
Davon abgesehen ist Gib mir alles für mich ein beeindruckender Roman über Herkunft, Identität und Familie. Er eröffnet Einblicke in eine Kultur, über die ich bislang nur wenig wusste, und bleibt durch seine eindrucksvollen Bilder und seine warmherzige Erzählweise lange im Gedächtnis. Ich hoffe sehr, dass dieses Buch die Aufmerksamkeit bekommt, die es verdient – für mich ist es eine ganz klare Leseempfehlung.
Schon das Äußere des Buches ist ein echter Hingucker. Das Cover mit dem Gemälde und die goldene Prägung des Namens der Autorin wirken hochwertig und machen neugierig auf die Geschichte.
Im Mittelpunkt steht Ioana, deren Eltern aus Rumänien stammen. Sie lebt in Deutschland und arbeitet in einer Consultingfirma, in der sich nahezu ihr gesamtes Leben abspielt. Ihr Alltag ist geprägt von Leistungsdruck, langen Arbeitszeiten und dem ständigen Gefühl, funktionieren zu müssen. Selbst ihre Umzugskartons stehen noch unausgepackt in der Wohnung, weil für alles außer der Arbeit kaum Platz bleibt. Als ihr Großvater stirbt, reist sie zur Beerdigung nach Rumänien. Dort prallen zwei Welten aufeinander: das durchgetaktete Arbeitsleben in Deutschland und die familiären Wurzeln, Traditionen und Rituale ihrer rumänischen Familie.
Gerade dieser Gegensatz ist für mich die große Stärke des Romans. Alexandra-Maria Pipos gelingt es hervorragend, Rumänien mit all seinen Farben, Gerüchen und Traditionen lebendig werden zu lassen. Ob die dreitägige Totenwache, die Begegnungen mit den zahlreichen Verwandten oder die Atmosphäre der Orte – beim Lesen hatte ich das Gefühl, mitten im Geschehen zu sein. Die Figuren sind so anschaulich beschrieben, dass ich sie sofort vor Augen hatte.
Besonders gefallen hat mir auch der Schreibstil. Er ist modern, flüssig und gleichzeitig sehr bildhaft. Erzählt wird aus Ioanas Perspektive, sodass man ihre Gedanken und inneren Konflikte intensiv miterlebt. Gleichzeitig lockern immer wieder humorvolle Szenen die Geschichte auf und sorgen dafür, dass der Roman trotz seiner ernsten Themen eine angenehme Leichtigkeit behält.
Ein erzählerisches Highlight waren für mich die eingeschobenen Kapitel, die sich auch optisch vom restlichen Text abheben. Hier kommen die Ikonen der rumänisch-orthodoxen Kirche zu Wort und beobachten die Figuren über Generationen hinweg. Dadurch erfährt man Dinge über Ioanas Familie, die sie selbst gar nicht weiß. Diese Perspektivwechsel fand ich unglaublich originell und bereichernd. Ebenso schön ist, dass immer wieder rumänische Sätze im Original stehen bleiben und direkt anschließend übersetzt werden. Das macht die Geschichte noch authentischer und vermittelt ein echtes Gefühl für die Sprache und Kultur.
Für meinen Geschmack bleibt die Geschichte etwas zu offen. Ich hätte Ioana gerne noch ein Stück auf ihrem weiteren Weg begleitet und erfahren, wie sie mit den Veränderungen und den Erkenntnissen aus ihrer Reise umgeht. Gerade weil mir die Figur so ans Herz gewachsen ist, hätte ich mir hier einen etwas stärkeren Abschluss gewünscht.
Davon abgesehen ist Gib mir alles für mich ein beeindruckender Roman über Herkunft, Identität und Familie. Er eröffnet Einblicke in eine Kultur, über die ich bislang nur wenig wusste, und bleibt durch seine eindrucksvollen Bilder und seine warmherzige Erzählweise lange im Gedächtnis. Ich hoffe sehr, dass dieses Buch die Aufmerksamkeit bekommt, die es verdient – für mich ist es eine ganz klare Leseempfehlung.