Eindringlich, berührend und extrem nahbar

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Ioana gibt im Alltag alles: Sie versucht, den extrem hohen Leistungsanforderungen in ihrem Job in Deutschland gerecht zu werden und gleichzeitig eine perfekte Tochter für ihre rumänische Familie zu sein. Als ihr Großvater stirbt, reist sie kurzfristig nach Rumänien zur Beerdigung. Dort gerät sie endgültig in das Spannungsfeld zweier Welten: Auf der einen Seite die ständige Erreichbarkeit für die Firma, auf der anderen die Erwartungen der Verwandtschaft, enge Räume, Traditionen und alte Kindheitserinnerungen. Ioana muss sich fragen, wer sie eigentlich ist, wenn sie aufhört, es ständig allen recht zu machen.

Meine Meinung:

Alexandra-Maria Pipos hat mit Gib mir alles ein wirklich starkes und nachdenklich machendes Debüt vorgelegt. Die Zerrissenheit von Ioana zwischen ihrem durchgeplanten, leistungsorientierten Leben in Deutschland und ihren tief verwurzelten familiären Verpflichtungen in Rumänien ist auf jeder Seite greifbar. Man fühlt den Druck förmlich mit.

Besonders gut hat mir die Balance aus ernsten Themen, familiären Scherben und kleinen, feinen Momenten von Humor gefallen. Das Porträt von Rumänien wirkt modern und ungeschönt – fernab von typischen Klischees. Ioana als Hauptfigur ist wunderbar menschlich gezeichnet, und ihre Entwicklung sowie der emotionale Spagat im letzten Drittel haben mich sehr berührt.

Ein kleiner Punktabzug: An manchen Stellen war der Erzählfluss durch die enorme Fülle an Konflikten und den sperrigen Druck etwas zäh zu lesen, weshalb es für mich nicht ganz für die volle Punktzahl reicht.

Fazit:
Ein sehr gelungener, intensiver Roman über Herkunft, Erwartungen und die Suche nach der eigenen Identität. Ein Buch, das nachklingt!