Gelungenes Debüt: Selbstoptimierung trifft Familiengeschichte
Ioana lebt für Leistung. Im Job bei der Unternehmensberatung Cadris Consulting kämpft sie um die langersehnte Senior-Position, und gleichzeitig versucht sie, den Erwartungen ihrer rumänischen Familie gerecht zu werden. Im Büro heißt sie Johanna, im Kreis ihrer Familie ist sie Ioana, und wo Selbstoptimierung aufhört und wo die Erschöpfung anfängt, das kann sie selbst schon lange nicht mehr sagen. Dann stirbt ihr Großvater, und sie muss unerwartet nach Rumänien, mit einem Ohr noch im Kunden-Call, mit dem anderen schon bei den Sprüchen ihres Onkels Radu. Dort holt sie ihre Familiengeschichte ein, verrückt-liebenswürdig und abgründig zugleich, und mit ihr ein Land, das ihr auf einmal fremder vorkommt, als sie es in Erinnerung hatte.
Was mich an diesem Debüt wirklich gepackt hat, ist Ioana beziehungsweise Johanna selbst. Pipos beschreibt sie nicht von außen, sondern lässt einen ganz in ihrem Kopf mitdenken, und genau diese Nähe legt schonungslos offen, wie sehr sich diese Frau selbst etwas vormacht, gerade weil sie zwischen zwei Namen und zwei Versionen ihrer selbst pendelt. Man merkt der Erzählstimme an, dass sie den Bürokosmos aus eigener Erfahrung kennt, die Pitches, die ständige Anerkennungssucht, das permanente Rechnen mit der eigenen Leistungsfähigkeit. Diesen Alltag trifft Pipos mit leicht satirischer Schärfe, ohne ihn ins Lächerliche zu ziehen. Der Humor sitzt, nimmt der Geschichte aber nie den Ernst, den sie verdient.
Besonders gut gefallen hat mir, wie Rumänien in diesem Buch vorkommt, nicht als hübsche Kulisse, sondern als eine Welt, die Ioana eigentlich vertraut sein müsste und es trotzdem nicht mehr ist. Diese Fremdheit im eigentlich Eigenen ist für mich einer der stärksten Fäden des Romans. Dazwischen gibt es immer wieder kurze Einschübe, in denen eine Ikone spricht, wie eine alte, weise Beobachterin einer vergangenen Zeit. Dieser fast religiöse Unterton bildet einen ruhigen Gegenpol zu Johannas gehetztem Berufsleben und gibt der Geschichte eine zusätzliche, fast zeitlose Tiefe, ohne dabei belehrend zu werden.
Am Ende führt Pipos all diese Fäden, den Bürowahnsinn, die Trauer um den Großvater, das Ringen um die eigene Identität zwischen zwei Namen und zwei Ländern, wirklich überzeugend zusammen.
Was mich an diesem Debüt wirklich gepackt hat, ist Ioana beziehungsweise Johanna selbst. Pipos beschreibt sie nicht von außen, sondern lässt einen ganz in ihrem Kopf mitdenken, und genau diese Nähe legt schonungslos offen, wie sehr sich diese Frau selbst etwas vormacht, gerade weil sie zwischen zwei Namen und zwei Versionen ihrer selbst pendelt. Man merkt der Erzählstimme an, dass sie den Bürokosmos aus eigener Erfahrung kennt, die Pitches, die ständige Anerkennungssucht, das permanente Rechnen mit der eigenen Leistungsfähigkeit. Diesen Alltag trifft Pipos mit leicht satirischer Schärfe, ohne ihn ins Lächerliche zu ziehen. Der Humor sitzt, nimmt der Geschichte aber nie den Ernst, den sie verdient.
Besonders gut gefallen hat mir, wie Rumänien in diesem Buch vorkommt, nicht als hübsche Kulisse, sondern als eine Welt, die Ioana eigentlich vertraut sein müsste und es trotzdem nicht mehr ist. Diese Fremdheit im eigentlich Eigenen ist für mich einer der stärksten Fäden des Romans. Dazwischen gibt es immer wieder kurze Einschübe, in denen eine Ikone spricht, wie eine alte, weise Beobachterin einer vergangenen Zeit. Dieser fast religiöse Unterton bildet einen ruhigen Gegenpol zu Johannas gehetztem Berufsleben und gibt der Geschichte eine zusätzliche, fast zeitlose Tiefe, ohne dabei belehrend zu werden.
Am Ende führt Pipos all diese Fäden, den Bürowahnsinn, die Trauer um den Großvater, das Ringen um die eigene Identität zwischen zwei Namen und zwei Ländern, wirklich überzeugend zusammen.