Zerrissen zwischen zwei Kulturen

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walliliest Avatar

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Ioana ist ehrgeizig und erfolgreich als Consultant. Ihr nächster Karriereschritt steht an. Für Ihre Karriere powert sie sich aus und ist immer erreichbar. Obwohl dafür viel Selbstverleugnung notwendig ist. Denn im Job heißt sie Johanna und wenn ihre Mutter anruft, darf niemand hören, dass sie mit ihr rumänisch spricht. Die Eltern sind mit ihr vor der Wende nach Deutschland geflohen, aber nie so wirklich angekommen. Die fremde Sprache, die fehlenden Freunde, die unqualifizierten Jobs, die sie annehmen mussten, machen ihnen das Leben schwer.
"Also hörte ich mir weiter ihre Geschichten an und sah ihnen dabei zu, wie sie hier versuchten, mit anderen Schiffbrüchigen ihr altes Leben nachzubauen." Seite 58

Ihr Großvater stirbt und Ioana fliegt zur Beerdigung nach Rumänien. Dort erwartet sie ihre Verwandtschaft. Onkel Radu, der mittlere der drei Brüder, der nach einem Fluchtversuch im Gefängnis saß und ein Auge durch die Folter verlor. Nicu, der jüngste Onkel, stets betrunken, mit seiner Frau Anca und Cousine Luci sowie Cousin Andrei und natürlich ihre Großmutter. Für den Großvater wird drei Tage Totenwache gehalten und Iona taucht ein in die rumänischen Traditionen, die Sprache und die Verhaltensweisen ihrer Verwandtschaft. Das Handy stets am Ohr und den Laptop griffbereit um Folien für Pitches zu erstellen. Nach einigen Tagen merkt Ioana, dass weder in der Arbeit noch bei der Verwandtschaft mit offenen Karten gespielt wird und nichts so ist, wie es scheint, auch nicht bei Mihai, ihrem Vater. Ioana ist überfordert von den unterschiedlichen Erwartungen im Job und von der rumänischen Familie.

Meinung:
Alexandra-Maria Pipos ist ein temporeicher und kulturell spannender Debütroman gelungen. In wechselnden Kapiteln erzählen die Ich-Erzählerin Ioana und die orthodoxen Heiligen, die als Ikonen in den Wohnungen hängen. Die Heiligen kennen die Hintergründe, die Vergangenheit und sehen auch ein Stück in die Zukunft. Das war ein sehr spannendes Stilmittel. Insgesamt ist der Roman um Ioana sicher auf viele Kinder migrantischer Familien übertragbar. Die Sehnsucht nach beruflichem Erfolg, Anerkennung, Zugehörigkeit und die innere Zerrissenheit zwischen den Kulturen. Ich fand den Roman sehr lesenswert.