Zwischen den Stühlen
Der Roman handelt von der jungen Ioana, die als Kind mit ihren Eltern von Rumänien nach Deutschland gegangen ist. In der Vorstellung ihrer Familie ist sie die einzige von ihnen, die es in der neuen Heimat geschafft hat. Doch der Preis ist hoch und sie steckt im Hamsterrad: Um in ihrem Job als Consultant endlich die erhoffte Karriere zu machen, arbeitet sie hart und lässt sich von vorne bis hinten ausnutzen. Ihren Verdienst kann sie nicht einmal zur Befriedigung ihrer eigenen Konsumwünsche verwenden, weil sie entsprechend der Erwartungen ihrer Familie diese unterstützt. Ihre rumänische Herkunft verleugnet sie gar, um dazugehören zu können. Die Beerdigungsfeierlichkeiten ihres Großvaters lassen sie nach Rumänien reisen und sie trifft auf ein gänzlich anderes Leben. Angesichts der wirtschaftlichen Verhältnisse im Land haben nur wenige ihrer Angehörigen ein Auskommen; Religion, Aberglauben, Gewalt und Bespitzelungen prägen ihr Leben. Der Autorin ist es gut gelungen darzustellen, in welch schwieriger Lage die Kinder von Migranten sind. In keiner der beiden Kulturen gehören sie wirklich dazu und fühlen sich auch selbst weder da noch dort verwurzelt. In formeller Hinsicht ist positiv hervorzuheben, dass zwar immer wieder kurze rumänische Sätze einfließen, diese aber unmittelbar nachfolgend übersetzt werden und deshalb zu verstehen sind. Ungewöhnlich, angesichts der Religiosität der Rumänen aber verständlich, ist, dass immer mal wieder Ikonen zu Wort kommen (die Passagen sind in einem anderen Schriftbild abgefasst), wodurch die Lesenden weitere Informationen über die Familie aus anderem Blickwinkel erhalten. Abstriche in meiner Bewertung mache ich wegen der zu vielen offenen Fragen am Ende der Geschichte.