Zwischen Ehrgeiz und Herkunft

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„Gib mir alles“ passt als Titel wirklich perfekt zu diesem Roman. Ioana verlangt sich selbst ständig mehr ab, weil sie gelernt hat, dass gut sein nicht reicht. Sie muss besser sein als alle anderen, erfolgreich im Beruf und gleichzeitig eine Tochter, auf die ihre Familie stolz sein kann. Dabei merkt sie lange nicht, wie sehr sie sich selbst dabei verliert.

Besonders stark fand ich den Kontrast zwischen ihrem durchgetakteten Leben in Deutschland und der völlig anderen Welt, in die sie nach dem Tod ihres Großvaters in Rumänien zurückkehrt. Ioana ist dabei keine makellose Heldin, sondern eine Figur mit Ecken, Widersprüchen und ziemlich viel Druck auf den eigenen Schultern. Ich konnte ihre Gedanken und ihren Ehrgeiz sehr gut nachvollziehen. Auch die kurzen Passagen aus der Perspektive der Ikonen fand ich originell und überraschend passend.

Sprachlich hat mich das Buch ebenfalls überzeugt. Die Autorin schreibt direkt, pointiert und gleichzeitig sehr gefühlvoll. Hinter der Geschichte über Familie und Karriere steckt letztlich eine interessante Frage: Wie viel von dem, was wir erreichen wollen, tun wir eigentlich für uns selbst?

Für mich ein kluger, warmherziger und zugleich unterhaltsamer Roman, der noch eine ganze Weile nachwirkt.