Zwischen hektischer Berufswelt und rumänischer Familie

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federfee Avatar

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Zwischen dem Leistungsdruck der Consulting World und familiären Erwartungen aus der traditionellen Welt Rumäniens

Die junge Ioana rumänischer Herkunft hat es geschafft: sie ist Projekt Managerin in einer Consulting Firma mit der Aussicht, weiter aufzusteigen. Dafür tut sie alles, unterwirft sich unvorstellbarem Druck durch die Ansprüche ihres Chefs, muss sich gegen einen Kollegen wehren, der ihre Ideen benutzt und mit ihr um eine höhere Stelle und einen Bonus konkurriert. Sie verzichtet voller Ehrgeiz auf Freizeit, Familie, Freunde und oft auch auf Schlaf.

Nicht genug, soll sie auch die Erwartungen ihrer rumänischen Eltern erfüllen, die des kranken Vaters und der gottgläubigen, abergläubischen Mutter. Ihr Miteinander ist schwierig: ‘Meist sind wir in unseren Meinungen so entgegengesetzt, dass uns die Worte fehlen, um auch nur einen Schritt auf den anderen zuzugehen.’ (54)

Und zu allem Überfluss setzt sich Ioana auch noch selbst unter Druck, indem sie bei einer Fitness-Challenge mitmacht und täglich einen Podcast hört. Sie ist gerade umgezogen, sie scheint immer noch aus Kartons zu leben und ernährt sich von Fast Food und Salaten. Die Welt ihrer Eltern und das deftige Essen lehnt sie ab.
Die Gründe für solch’ ein Leben scheinen in der Vergangenheit zu liegen, an der Ausgrenzung als Jugendliche, dem Wunsch, so zu sein wie die anderen und den Erwartungen der Familie, die ihre Heimat aufgegeben hat, am Aufwachsen in Armut mit seinen materiellen Einschränkungen.

Wir erfahren nach und nach viel über ihre Entwicklung, den schwierigen Anfang in Deutschland als ‘Asylanten’, Schockierendes über die rumänische Verwandtschaft und die Vorfahren - mehr als Ioana selbst, denn die Autorin nutzt einen genialen erzählerischen Kniff: Zwischenkapitel in anderer Schrift und mit einer Randbordüre, Einsichten, Berichte, Hintergründe der Ikonen der Familie. Besonders ergreifend dargestellt war das einsame Sterben des Großvaters und sein ist auch der Grund, warum Ioana nach Rumänien fliegen muss, zur Beerdigung.

Dort prallen Kulturen aufeinander: die moderne Arbeitswelt des Westens, in der es nur um Konsum geht, was sich auch im Sprachlichen äußert: Consulting, Branding, Pitches, Calls - dagegen die traditionelle rumänische Welt, was sich hier besonders drastisch in Trauer- und Beerdigungsritualen zeigt. Ioana scheint zwischen diesen Welten zerrissen, pendelt hin und her, denn sie versucht nicht nur die Erwartungen ihrer Familie zu erfüllen, sondern ist sogar noch während der Trauerzeremonien mit Beruflichem beschäftigt. Es werden Ergebnisse von ihr erwartet, ohne Rücksicht auf Privates.

Es geht auch um Freundschaften, um Versäumnisse im Mitmenschlichen, aber vor allem um die Frage, ob dieser 'Clash der Kulturen’ zu einer Änderung in Ioanas Leben führen wird. Ich will nicht verhehlen, dass mich das Ende nicht ganz zufriedengestellt hat, aber nach einigem Nachdenken erkennt man doch kleinere Anzeichen der Verbesserung, Versuche mitmenschlicher Kontaktaufnahme. Wie es aber letztlich ausgeht, mag sich jeder Leser selber ausdenken.

Fazit
Ein bemerkenswert gelungenes Debüt, die Geschichte einer jungen Frau zwischen den Welten: der Familie aus Rumänien mit ihren traditionellen Werten und der amerikanisch geprägten Consulting Welt, was die junge Autorin auch sprachlich hervorragend zu differenzieren versteht. Eine tolle Idee: durch Ikonen dem Leser Hintergrundwissen zu vermitteln.

Alles in allem ein lesenswertes Buch, das ich gerne empfehle und dem ich viele Leser wünsche.