Zwischen zwei Welten
Mit „Gib mir alles“ erzählt Alexandra-Maria Pipos auf 270 Seiten (Kiepenheuer & Witsch) eine Geschichte über Arbeit, Familie und die Frage, wo wir eigentlich zu Hause sind. Der Roman hat mich vor allem deshalb überzeugt, weil er große Themen ohne große Gesten erzählt.
Im Mittelpunkt steht Ioana, die sich im Berufsleben Johanna nennen lässt. Als erfolgreiche Consultant bewegt sie sich in einer Arbeitswelt, in der Leistung, Konkurrenz und die Erwartungen von Vorgesetzten und Kund:innen den Alltag bestimmen. Nach dem Tod ihres Großvaters reist sie nach Rumänien und erlebt dort das Leben ihrer Familie – ruhiger, gemeinschaftlicher und von anderen Werten geprägt.
Eine Szene ist mir besonders im Gedächtnis geblieben: Immer wieder schaltet Ioana auf ihrem Handy den Flugmodus ein und aus. Für mich steht dieser kleine Vorgang sinnbildlich für den ganzen Roman. Mit jedem Einschalten verbindet sie sich wieder mit ihrer Arbeitswelt in Deutschland, mit jedem Ausschalten taucht sie tiefer in das Leben ihrer Familie in Rumänien ein. Sie bewegt sich zwischen zwei Welten, die beide zu ihr gehören und doch kaum miteinander vereinbar scheinen.
Berührt hat mich auch, wie der Roman den Wert von Arbeit beschreibt. Es ist richtig und wichtig, der eigenen Tätigkeit Bedeutung beizumessen. Doch Ioana erlebt, dass sie sich für ihren Beruf aufreibt, immer mehr leistet und dennoch spürt, dass es niemals genug ist. Dem gegenüber stehen die Tage in Rumänien, in denen Arbeit ebenfalls ihren Platz hat, aber Familie, Erinnerungen und gemeinsame Zeit einen anderen Stellenwert einnehmen. Diese Gegenüberstellung wirkt nie belehrend, sondern lädt dazu ein, über die eigenen Prioritäten nachzudenken.
Besonders nachdenklich gemacht hat mich, dass Ioana sich selbst immer wieder als Mensch mit Migrationsgeschichte erfährt. Der Roman zeigt eindrucksvoll, wie prägend Herkunft bleibt – auch dann, wenn man längst in einem anderen Land lebt. Vielleicht würde es vielen von uns ähnlich gehen: Wer seine Wurzeln in einer anderen Kultur hat, trägt oft beide Welten in sich, ohne sich ganz für eine entscheiden zu können.
„Gib mir alles“ ist für mich ein ruhiger, kluger Roman über Identität, Zugehörigkeit und die Frage, was ein erfülltes Leben ausmacht. Gerade weil Alexandra-Maria Pipos diese Themen so unaufgeregt erzählt, haben sie mich lange beschäftigt. Für mich ist das Buch eine klare Leseempfehlung.
Im Mittelpunkt steht Ioana, die sich im Berufsleben Johanna nennen lässt. Als erfolgreiche Consultant bewegt sie sich in einer Arbeitswelt, in der Leistung, Konkurrenz und die Erwartungen von Vorgesetzten und Kund:innen den Alltag bestimmen. Nach dem Tod ihres Großvaters reist sie nach Rumänien und erlebt dort das Leben ihrer Familie – ruhiger, gemeinschaftlicher und von anderen Werten geprägt.
Eine Szene ist mir besonders im Gedächtnis geblieben: Immer wieder schaltet Ioana auf ihrem Handy den Flugmodus ein und aus. Für mich steht dieser kleine Vorgang sinnbildlich für den ganzen Roman. Mit jedem Einschalten verbindet sie sich wieder mit ihrer Arbeitswelt in Deutschland, mit jedem Ausschalten taucht sie tiefer in das Leben ihrer Familie in Rumänien ein. Sie bewegt sich zwischen zwei Welten, die beide zu ihr gehören und doch kaum miteinander vereinbar scheinen.
Berührt hat mich auch, wie der Roman den Wert von Arbeit beschreibt. Es ist richtig und wichtig, der eigenen Tätigkeit Bedeutung beizumessen. Doch Ioana erlebt, dass sie sich für ihren Beruf aufreibt, immer mehr leistet und dennoch spürt, dass es niemals genug ist. Dem gegenüber stehen die Tage in Rumänien, in denen Arbeit ebenfalls ihren Platz hat, aber Familie, Erinnerungen und gemeinsame Zeit einen anderen Stellenwert einnehmen. Diese Gegenüberstellung wirkt nie belehrend, sondern lädt dazu ein, über die eigenen Prioritäten nachzudenken.
Besonders nachdenklich gemacht hat mich, dass Ioana sich selbst immer wieder als Mensch mit Migrationsgeschichte erfährt. Der Roman zeigt eindrucksvoll, wie prägend Herkunft bleibt – auch dann, wenn man längst in einem anderen Land lebt. Vielleicht würde es vielen von uns ähnlich gehen: Wer seine Wurzeln in einer anderen Kultur hat, trägt oft beide Welten in sich, ohne sich ganz für eine entscheiden zu können.
„Gib mir alles“ ist für mich ein ruhiger, kluger Roman über Identität, Zugehörigkeit und die Frage, was ein erfülltes Leben ausmacht. Gerade weil Alexandra-Maria Pipos diese Themen so unaufgeregt erzählt, haben sie mich lange beschäftigt. Für mich ist das Buch eine klare Leseempfehlung.