Cooles Thema!

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lythanja Avatar

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Ich wusste beim Lesen ziemlich schnell, dass hier etwas nicht stimmt. Nicht im Sinne von „spannend geschrieben“, sondern im Sinne von unterschwelliger Unruhe. So eine Stimmung, bei der man merkt, dass ganz normale Orte plötzlich gefährlich werden können. Eine Tankstelle nachts. Eine Autowäsche. Ein Lost Place. Alles Orte, die man kennt und an denen man sich eigentlich sicher fühlt. Genau das macht die Geschichte so stark.

Die Szene mit Georg Kutowski hat mich besonders getroffen, weil sie so alltäglich anfängt. Ein älterer Mann will einfach nur tanken und sein Auto waschen lassen. Seine Gedanken über das Älterwerden, seine Schmerzen, seine Gewohnheiten und seine leicht zynische Sicht auf die Welt wirken total echt. Man merkt sofort, dass er kein Held ist, sondern jemand, der einfach versucht, seinen Alltag zu bewältigen. Und genau deshalb trifft einen die Gewalt später so hart. Es fühlt sich nicht wie ein Thriller Moment an, sondern wie etwas, das leider wirklich passieren könnte. Besonders stark fand ich den Kontrast zwischen der laufenden Waschstraße und dem Chaos draußen. Sein sauberes Auto wirkt fast zynisch in diesem Moment.

Sieben Jahre später wird dann klar, wie lange so ein Moment nachwirkt. Die Kapitel mit Joran fand ich emotional sehr intensiv. Er wirkt gleichzeitig trotzig, verletzt und überfordert mit der Freiheit. Die Begegnung mit seinem Vater und später mit Kutowski hat mich richtig angespannt gemacht. Da steckt so viel unausgesprochene Wut drin. Vor allem diese Idee, dass Strafe eben nicht einfach mit Gefängniszeit endet, sondern Beziehungen, Selbstbild und Zukunft komplett zerstören kann, fand ich sehr realistisch.
Charu bringt dann eine ganz andere Perspektive rein. Erst wirkt alles fast leicht. Social Media, Urbex, Followerzahlen, virale Videos. Aber darunter liegt eine ziemliche Einsamkeit. Ihre Idee mit der Glitzerkatze als Alter Ego fand ich extrem stark. Dass sie sich komplett hinter dieser Figur versteckt, passt perfekt zu jemandem, der gesehen werden will, aber gleichzeitig unsichtbar bleiben möchte.

Die Lost Place Atmosphäre rund um die verlassene Tankstelle fand ich richtig gelungen. Man kann sich die Dunkelheit, den Geruch und die Stille sehr gut vorstellen. Besonders die Waschstraße mit den riesigen Bürsten hatte etwas Unheimliches, fast Lebendiges. Und dann die Szene mit dem Mädchen. Die hat bei mir wirklich Gänsehaut ausgelöst. Dieses völlig normale Verhalten an einem Ort, an dem niemand sein sollte. Wie sie mit der Glitzerkatze umgeht, als wäre sie echt. Das war für mich der Moment, in dem die Geschichte von spannend zu richtig verstörend gewechselt ist.
Ich möchte unbedingt weiterlesen, weil ich wissen will, wie diese Figuren weiter miteinander verbunden sind und was es mit der Tankstelle und dem Mädchen wirklich auf sich hat. Für mich ist das eine Geschichte, die Realität, Emotion und unterschwelligen Horror sehr stark verbindet und lange im Kopf bleibt.