Abgründe an der Zapfsäule

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doroko Avatar

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Das Buch „Giftiger Grund“ mit seinem auffälligen Cover und dem „Lost-Place“-Schauplatz hat mich sofort angesprochen. Wie schon im Klappentext geschrieben, treffen mitten in der Nacht drei Menschen – Joran, Charu und Edda - die sich nicht kennen, an einer verlassenen Tankstelle aufeinander. Dort stoßen sie auf eine Leiche und es entwickelt sich eine Geschichte voller Geheimnisse, Misstrauen sowie persönlichen Abgründen. Der Lost Place wirkt dabei wie eine Blase, in der die Charaktere aufeinanderprallen und ihre tiefsten Ängste offenlegen müssen.
Die Handlung bringt drei Charaktere zusammen, die auf den ersten Blick absolut nichts gemeinsam haben, außer dass sie alle auf ihre Weise „beschädigt“ sind:
Joran, der gerade erst aus dem Jugendknast kommt und eigentlich nur seine alte Beute aus einem Kanalschacht holen will. Aber er wird von seiner Vergangenheit eingeholt.
Charu, eine Influencerin und Fotografin, die auf der Suche nach dem perfekten, düsteren Motiv für ihre Follower ist. Und hofft, das sie dadurch ihre Online-Karriere vorantreiben kann.
Edda, ein zehnjähriges Mädchen im Schlafanzug, das nachts allein durch die Dunkelheit geistert. Vor wem oder was läuft sie jede Nacht weg?
Mir hat die Dynamik zwischen den drei Protagonisten gefallen. Joran, Charu und Edda sind keine klassischen Helden; sie sind Außenseiter, die vom Leben enttäuscht wurden. Dass sie sich trotz gegenseitigem Misstrauen zusammenraufen, hat für mich den Kern der Story ausgemacht. Auch der moderne Touch – der Einsatz von Social Media, AirTags und Krypto-Handys – fühlte sich sehr authentisch und unverbraucht an.
Thomas Knüwer schreibt sehr direkt und schnörkellos. Die Sprache selbst wirkt modern und fast schon „jugendlich“ frisch – was super zu den Haupt-Charakteren passt. Die Geschichte wird hauptsächlich abwechselnd aus den Sichten von Joran, Charu und Edda erzählt (später kommt noch eine weitere Figur hinzu). Das hat mir besonders gut gefallen, weil man so die unterschiedlichen Wahrnehmungen desselben Ortes – der alten Tankstelle – mitbekommt und sich auch gut in die Figuren hineinversetzen konnte.
Das Ende hält noch einmal eine überraschende Wendung bereit und hat mich überrascht, weil sich die Ereignisse plötzlich anders zusammensetzen, als ich es vorher erwartet hatte. Insgesamt hat mich der atmosphärische Roman mit seinen vielschichtigen Figuren und der düsteren Stimmung gut unterhalten, auch wenn es zwischendurch kleine Längen gab.