Dramatisch, spannend, gut
Anfangs war ich ein bisschen skeptisch, in welche Richtung die Geschichte gehen würde. Lost Places finde ich cool, aber sobald ein Roman Social Media Themen beinhaltet bin ich normalerweise raus. Doch hier stand die Nutzung zum Glück nicht so sehr im Vordergrund, dass es mich vergrault hätte, sondern Charus fotografische Ambitionen, Lost Places in Bild und Video einzufangen, bot einen sehr interessanten Einstieg ins Geschehen. Und so finden sich in der alten Waschstraße drei verlorene Seelen und trotz anfänglichen Misstrauens helfen sie sich schliesslich gegenseitig - und das auf zum Teil sehr drastische Weise. Überhaupt ist die Handlung nicht zimperlich und nimmt dabei einige fast schon komische Wendungen, die mich immer wieder neu überraschen konnten. Oft wusste ich nicht ob ich lachen oder weinen sollte, denn gerade Joran schien das Pech magisch anzuziehen, während die Geschichte von Edda einfach nur tieftraurig war, und Charu lag wohl irgendwo dazwischen. Mehrfach konnte ich nur hilflos zusehen, wie das Schicksal unausweichlich und erbarmungslos zuschlägt, und wollte gleichzeitig wegsehen, die Protagonisten warnen, ihnen helfen oder einfach nur schreien. Virtuos dirigiert der Autor das Geschehen, das einem die Protagonisten trotz aller Fehler und Schwächen ans Herz wachsen lässt, nur um ihnen dann ein ums andere Mal das Schicksal gnadenlos um die Ohren zu hauen - das war total fies, gleichzeitig genial spannend und trotz aller ernsten Untertöne perfekte Unterhaltung. Am besten hat mir Joran gefallen, der trotz aller blöden Entscheidungen im Verlauf der Handlung zu wachsen und seinem früheren Ich endlich zu entkommen scheint. Edda habe ich sofort ins Herz geschlossen und bewundert und gleichzeitig betrauert, wie erwachsen und tapfer sie für ihr junges Alter schon ist und leider auch sein muss. Charu war mir nicht ganz so sympathisch, sie erschien mir ein wenig zu selbstgerecht. Das Ende war dann nochmal ein echter Hammer, und restlos begeistert habe ich das Buch nach der letzten Seite zugeklappt. Fazit: kein typischer Krimi, sondern ein ganz besonderer der mir noch lange im Gedächtnis bleiben wird.