Interessante Ausgangslage, die Erwartungen weckt

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elke17 Avatar

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Eigentlich kann er atmosphärisch erzählen, der Herr Knüwer, hat er ja bereits mit seinem preisgekrönten Vorgänger „Das Haus, in dem Gudelia stirbt“ bewiesen, in dem er tief in die Psyche seiner Hauptfigur eintaucht. So auch meine Erwartung an „Giftiger Grund“.

Hier nun der Einstieg in die Story mit dem Lost Place, der vergessenen und verratzten Tankstelle. irgendwo im Nirgendwo. Natürlich ein passender Hintergrund, wobei sich allerdings beim Lesen zunehmend herausstellt, dass dies nur eine vernachlässigbare Klammer ist, die die Geschichte, die er zu erzählen hat, zusammenhält.

Drei Akteure: Joran, der frisch entlassene Häftling, verurteilt für eine Straftat, die bei genauerem Hinsehen einen unglücklichen Hintergrund hat. Charu, die – ja, was ist sie eigentlich – Influencerin, Fotografin, die ihren Social Media Account mit Fotos von verlassenen, zerfallenden Gebäuden füllt. Und Edda, ein kleines Mädchen, das Nacht für Nacht die Tankstelle aufsucht...

Wir lernen diese drei Personen kennen, tauchen häppchenweise, aber leider auch recht oberflächlich, in ihre persönlichen Geschichten ein, bis sich ihre Wege kreuzen.

Knüwer macht das ziemlich geschickt. Die Perspektivwechsel bringen Abwechslung, generieren durch die alternierenden Kapitel Tempo, machen neugierig und lassen die Leserinnen Vermutungen über den Fortgang der Story anstellen.

Allerdings ist meiner Meinung nach die Ausgangslage dieser Geschichte, die als „psychologischer Kriminalroman“ vermarktet wird, wesentlich interessanter als das Endergebnis, das sich in konventionellem Friede, Freude, Eierkuchen auflöst und leider den Eindruck erweckt, als hätten wir es hier eher mit einem Schreibversuch des Autors, als mit einer fein ausgearbeiteten Erzählung zu tun, die es mit „Gudelia“ aufnehmen kann.

Fazit: Interessante Idee, mittelmäßig ausgeführt. Erwartungen nicht erfüllt.