Interessante Charaktere

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goldwoman Avatar

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Nachdem der Autor mit dem deutschen Krimipreis 2024 ausgezeichnet worden ist, war ich sehr gespannt auf das Buch. Es handelt sich um einen psychologisch interessanten Thriller, der weniger auf klassische Ermittlungsarbeit setzt als auf die inneren Konflikte seiner Figuren. Und genau dies macht ihn so besonders und hebt ihn von anderen Thrillern ab.

Schon zu Beginn erzeugt der Roman eine bedrückende Atmosphäre. Die Handlung spielt größtenteils an einer verlassenen Tankstelle – einem sogenannten „Lost Place“. Dieser Ort funktioniert fast wie eine eigene Figur: verfallen, isoliert und voller Vergangenheit. Die räumliche Enge zwingt die Figuren dazu, sich mit ihren Geheimnissen auseinanderzusetzen. Die Nacht, der Wald und das verlassene Gelände verstärken das Gefühl, dass hier etwas Unausweichliches passiert. Der Fund der Leiche im Kanalschacht ist der Auslöser der Handlung, doch eigentlich geht es weniger um die Frage „Wer hat den Mord begangen?“, sondern vielmehr um Schuld, Vertrauen und die Frage, wie Menschen mit ihrer Vergangenheit umgehen. Und dies ist so anders an diesem Buch, denn die einzelnen Personen und wie ihre Charaktere herausgearbeitet worden sind ist wirklich speziell. Da gibt es Joran, den Gescheiterten auf der Suche nach einem Neubeginn, Chart, die Beobachterin und Außenseiterin und auch Edda, das geheimnisvolle Kind. Alle für sich super speziell und interessant und sie machen Giftiger Grund zu keinem klassischen Krimi, sondern eher zu einem psychologischen Thriller über Schuld, Vertrauen und gesellschaftliche Ausgrenzung. Die Spannung entsteht weniger durch Action als durch die komplexen Figuren und ihre Beziehungen zueinander. Klare Empfehlung!