Kein klassischer Krimi und gerade deshalb so spannend

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Joran, Charu und Edda sind die drei ProtagonistInnen des Romans Giftiger Grund von Thomas Knüwer, erschienen im März 2026 bei Droemer Knaur. Alle drei sind Außenseiter und haben mit erheblichen, wenn auch sehr unterschiedlichen Problemen zu kämpfen.
Joran hat sich als junger Erwachsener mit den falschen Freunden eingelassen und musste nach einem missglückten Raubüberfall auf einen Tankstelle sieben Jahre ins Gefängnis. Während dieser Zeit wurde die Tankstelle geschlossen, sein Heimatort vom Fortschritt abgehängt und die Tankstelle selbst zu einem Lost Place. Nach seiner Haftentlassung kehrt Joran an den Ort seiner Verbrechens zurück.
Dort trifft er auf Charu, eine Content Creatorin, die versucht ihren Lebensunterhalt mit Videos von verlassenen Orten zu finanzieren. Das verlassene Tankstellengebäude dient aber auch der kleinen Edda als Unterschlupf, die sich nachts dort versteckt. Zufall oder Schicksal kreuzen die Wege der drei nun ausgerechnet an diesem verlassenen Ort.
Die Kapitel sind jeweils aus der Perspektive einer der frei Figuren geschrieben, was dem Roman eine besondere Tiefe und Authentizität verleiht. Giftiger Grund ist kein Thriller oder Krimi im klassischen Sinne: So gibt er nicht die Frage wer etwas getan hat. Es gibt keine Ermittlerinnen, keine Spurenauswertung, keine Zeugenaussage. Und dennoch ist der Roman äußerst spannend und mitreißend
Völlig zu Recht ist Thomas Knüwer 2024 mit dem Deutschen Krimipreis ausgezeichnet worden. Sein Schreibstil ist packend und empathisch, rasant und gleichzeitig sehr einfühlsam. Besonders gelungen ist, wie sich die Sprache je nach Perspektive verändert. Erst nach und nach fügt sich das Gesamtbild zusammen.
Ich war sehr begeistert von der Lektüre und möchte das Buch wärmsten empfehlen: 5/5 Sternen