Psychologisch überzeugend und fesselnd

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carola1475 Avatar

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Auf dem Gelände einer aufgegebenen Tankstelle treffen sie zufälligerweise aufeinander. Charu, die Urban Explorations unternimmt und ihre Aufnahmen ins Netz stellt, Joran, der die seit sieben Jahren versteckte Beute aus einem Raubüberfall auf die Tankstelle sucht, und das Mädchen Edda, das jede Nacht in der Waschstraße auftaucht. Nur zögerlich wird gegenseitiges Misstrauen abgebaut und die Bedrohung, der sich alle drei Protagonisten gegenüber sehen, im Verlauf der Geschichte immer greifbarer.

Die Figurenzeichnung ist sehr gelungen, die Protagonisten und auch Nebencharaktere sind glaubhaft und authentisch, die Sprache ist den Figuren angepasst und durch die jeweilige abwechselnde Ich-Perspektive, kurze Sätze und Gedankensprünge komme ich den Charakteren nah, teile ihre Gefühle und Überlegungen. Sehr berührt hat mich der unsichere Joran, seine Verzweiflung, Überforderung und Einsamkeit nach Jahren im Gefängnis kann ich nachvollziehen. Charu kommentiert andere Menschen gedanklich oft ironisch, ist der Meinung, sie habe den Durchblick. Hier habe ich sehr gern gelesen, wie sie arbeitet und auch interessante Einzelheiten über andere Lost Places erfahren. Es dauert eine Weile, bis ich mir ein Bild von Eddas Situation machen kann, ihre kindliche Erzählperspektive ist Thomas Knüwer besonders glaubwürdig gelungen. Alle Charaktere erscheinen 'echt'.

'Giftiger Grund' ist fesselnd zu lesen, klug konzipiert und thematisiert auch gesellschaftliche Probleme, und trotz gelegentlicher Situationskomik überwiegt eine düstere Atmosphäre, die nicht nur von der aufgegebenen Tankstelle am Waldrand und dem vergifteten Erdreich verursacht wird. Das giftgrüne Cover des Buchs passt sehr gut und fällt in der Buchhandlung auf.
Ich habe Thomas Knüwers neuen Krimi nach 'Das Haus, in dem Gudelia stirbt' sehr gern gelesen, er hat mir wieder ausgesprochen gut gefallen.