Schicksalsgemeinschaft

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dimity74 Avatar

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Vor sieben Jahren hat Joran mit zwei seiner Freunde eine Tankstelle überfallen und dabei einen Mann verletzt. Als er aus dem Gefängnis entlassen wird steht für ihn fest, jetzt wird alles anders. Leider ist das aber gar nicht so leicht. Um den Neustart ohne die Hilfe seines Vaters zu schaffen, sucht er nach seiner damals versteckten Beute an der längst verlassenen Tankstelle, dabei trifft er unerwartet auf Charu, die junge Frau postet Bilder von Lost Places auf ihrem Insta Account und auf Edda, ein kleines Mändchen das mitten in der Nacht, in Schlafanzug und Gummistiefeln an der Tankstelle auftaucht. Seine Beute findet er nicht, dafür aber etwas anderes.

Schon das Cover des Buches ist ein echter Hingucker, der mich direkt neugierig gemacht hat. Ein kleines Mädchen, das offenbar auf einem Baumstamm balanciert, vor einem giftgrünen Hintergrund. Dieses Grün unterstreicht den Titel des Buches, "Giftiger Grund", den giftig/toxisch ist der Ort des Verbrechens tatsächlich und das gleich in mehrerlei Hinsicht.

Die Story hält dann auch, was das Cover verspricht. Da ist Joran, der ziemlich naiv an sein Leben in Freiheit herangeht und direkt mit seiner Vergangenheit konfrontiert wird, toxisch hier ganz klar sein Vater, aber auch sein damaliger Freund der an dem Überfall beteiligt war und Joran nun zu einem fragwürdigen Job drängt. Charu, die voll und ganz in ihrer Arbeit aufgeht und auf den Erfolg als Influencerin hofft, der bisher aber ausbleibt, in gewisser Weise toxisch hier, die Beziehung zu ihrer Schwester und leider nicht nur das. Und natürlich die kleine Edda, die nicht ohne Grund Nachts durch den Wald streunt. Drei völlig unterschiedliche Figuren, die aus den unterschiedlichsten Gründen Nachts an dieser verlassenen Tankstelle aufeinandertreffen und bald eine Schicksalsgemeinschaft bilden.

Die Geschichte wird abwechseln aus der Perspektive einer der Figuren erzählt, so erhält man als Leser viel mehr Einblicke in das Geschehen und kennt Details, die den anderen Figuren noch verborgen sind. Man folgt drei Handlungssträngen, die sich über weite Strecken unabhängig voneinander entfalten und immer mal wieder gemeinsame Berührungspunkte haben, bevor sie letztlich zusammenlaufen. Der Autor schafft es gut Empathie beim Leser zu erzeugen. Bei der kleinen Edda ist das recht leicht, aber er schafft es auch bei Joran, der ja ein Verbrechen begangen hat und der einem eigentlich suspekt sein sollte, dass man irgendwie eine Art Beschützerinstinkt entwickelt und ihm unbedingt helfen will. Leicht macht seine Figur es dem Leser allerdings durch sein oft unüberlegtes Handeln nicht unbedingt.

Thomas Knüwer erzählt auf psychologischer Ebene sehr spannend, das Setting des Buches, die Handlung, die meist Nachts spielt, tut ihr übriges. Man ist beim Lesen die ganze Zeit irgendwie angespannt und erwartet immer, dass etwas Schlimmes passiert. In einigen Szenen geht es auch durchaus etwas heftiger zur Sache. Zu manchen Details hat man als Leser schon eine Ahnung, anderes trifft einen vollkommen unvorbereitet. Das Ende ist eher ungewöhnlich, stimmig und konsequent, passt gut zur Geschichte, könnte aber nicht jedem Leser gefallen.