Wenn das Setting mehr verspricht als die Story hält
„Giftiger Grund" ist der zweite Krimi von Thomas Knüwer (Droemer/Knaur, erschienen am 02.03.2026, 336 Seiten). Das Hörbuch wird von gleich fünf Sprecher:innen gesprochen: Julian Horeyseck, Pia-Rhona Saxe, Ann-Kathrin Hinz, Wolfgang Wagner und Elke Appelt. Danke an NetGalley und Droemer/Knaur für das Rezensionsexemplar!
Worum geht's?
Joran kommt frisch aus dem Jugendknast und sein Neustart läuft von der ersten Minute an schief. Sein Vater setzt ihn unter Druck, die Jobsuche endet in Demütigung und in seiner Verzweiflung kehrt er nachts zu jener verlassenen Tankstelle zurück, wo er vor sieben Jahren seine Beute versteckt hat. Was er stattdessen im Kanalschacht findet: die Leiche seines damaligen Komplizen Aras. Und er ist nicht allein auf dem Gelände. Da ist Charu, eine Fotografin, die Lost Places dokumentiert. Und Edda, ein kleines Mädchen im Schlafanzug, das dort eigentlich nicht sein sollte. Der Tote verbindet alle drei auf eine Weise, die keine:r von ihnen wollte.
Meine Meinung
Der Einstieg macht einiges richtig. Die Prämisse ist stark, das Setting hat echtes atmosphärisches Potenzial: verlassene Tankstelle, Nacht, ein Leichenfund, drei völlig unterschiedliche Figuren, die plötzlich zusammengewürfelt werden. Ich war zu Beginn voll dabei, wollte mehr wissen.
Das Problem: dieses Mehr kam für mich nie wirklich. Die Spannung, die ein Krimi eigentlich tragen sollte, bleibt über weite Strecken sehr dünn. Das Lost-Place-Setting (das so viel hergegeben hätte, gruselig, bedrückend, symbolisch aufgeladen) wird leider kaum ausgereizt.
Was mich außerdem zunehmend rausgeworfen hat: die Handlungen der Figuren sind manchmal schwer nachzuvollziehen. Ich will nicht spoilern, aber es gibt Momente, in denen ich gedacht hab "warum würde irgendjemand so reagieren?" Die Naivität zieht sich durch fast alle Protagonist:innen, und das macht es schwer, wirklich mitzufiebern. Gleiches gilt für einige Wendungen, die auf mich konstruiert gewirkt haben.
Das Ende kam dann auch zu abrupt für meinen Geschmack. Man weiß danach zu wenig, wie es mit den Figuren weitergeht, und das ist schade, denn das Potenzial für echte Charakterentwicklung wäre da gewesen.
Was durchgehend funktioniert: das Hörbuch als Format. Fünf Sprecher:innen für versch. Perspektiven ist eine gute Entscheidung und die Besetzung passt. Die Stimmen sind klar voneinander unterscheidbar, das Hören fühlt sich angenehm an, nie anstrengend. Für etwa 9 Stunden Hörzeit finde ich ist das auch sehr wichtig.
Fazit
„Giftiger Grund" ist solide, aber meiner Meinung nach kein Must-listen. Wer leichten, gut hörbaren Krimi sucht und mit einem eher ruhigen Spannungsbogen klarkommt, wird hier gut unterhalten. Wer ein dichtes, atmosphärisches Lost-Place-Setting oder psychologisch wasserdichte Figuren erwartet, der*die greift vielleicht besser zu einem anderen Krimi.
Worum geht's?
Joran kommt frisch aus dem Jugendknast und sein Neustart läuft von der ersten Minute an schief. Sein Vater setzt ihn unter Druck, die Jobsuche endet in Demütigung und in seiner Verzweiflung kehrt er nachts zu jener verlassenen Tankstelle zurück, wo er vor sieben Jahren seine Beute versteckt hat. Was er stattdessen im Kanalschacht findet: die Leiche seines damaligen Komplizen Aras. Und er ist nicht allein auf dem Gelände. Da ist Charu, eine Fotografin, die Lost Places dokumentiert. Und Edda, ein kleines Mädchen im Schlafanzug, das dort eigentlich nicht sein sollte. Der Tote verbindet alle drei auf eine Weise, die keine:r von ihnen wollte.
Meine Meinung
Der Einstieg macht einiges richtig. Die Prämisse ist stark, das Setting hat echtes atmosphärisches Potenzial: verlassene Tankstelle, Nacht, ein Leichenfund, drei völlig unterschiedliche Figuren, die plötzlich zusammengewürfelt werden. Ich war zu Beginn voll dabei, wollte mehr wissen.
Das Problem: dieses Mehr kam für mich nie wirklich. Die Spannung, die ein Krimi eigentlich tragen sollte, bleibt über weite Strecken sehr dünn. Das Lost-Place-Setting (das so viel hergegeben hätte, gruselig, bedrückend, symbolisch aufgeladen) wird leider kaum ausgereizt.
Was mich außerdem zunehmend rausgeworfen hat: die Handlungen der Figuren sind manchmal schwer nachzuvollziehen. Ich will nicht spoilern, aber es gibt Momente, in denen ich gedacht hab "warum würde irgendjemand so reagieren?" Die Naivität zieht sich durch fast alle Protagonist:innen, und das macht es schwer, wirklich mitzufiebern. Gleiches gilt für einige Wendungen, die auf mich konstruiert gewirkt haben.
Das Ende kam dann auch zu abrupt für meinen Geschmack. Man weiß danach zu wenig, wie es mit den Figuren weitergeht, und das ist schade, denn das Potenzial für echte Charakterentwicklung wäre da gewesen.
Was durchgehend funktioniert: das Hörbuch als Format. Fünf Sprecher:innen für versch. Perspektiven ist eine gute Entscheidung und die Besetzung passt. Die Stimmen sind klar voneinander unterscheidbar, das Hören fühlt sich angenehm an, nie anstrengend. Für etwa 9 Stunden Hörzeit finde ich ist das auch sehr wichtig.
Fazit
„Giftiger Grund" ist solide, aber meiner Meinung nach kein Must-listen. Wer leichten, gut hörbaren Krimi sucht und mit einem eher ruhigen Spannungsbogen klarkommt, wird hier gut unterhalten. Wer ein dichtes, atmosphärisches Lost-Place-Setting oder psychologisch wasserdichte Figuren erwartet, der*die greift vielleicht besser zu einem anderen Krimi.