Zwei Jungs, die man nicht so schnell vergisst

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jori1020 Avatar

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Prekäre Verhältnisse, Jugendliche am Rand der Gesellschaft und Glasgow als raues Setting. Da muss man unweigerlich an Douglas Stuart denken. Ganz leicht ist es sicher nicht, an einen solchen Autor anzuknüpfen, Margaret McDonald gelingt mit Glasgow Boys aber ein durchaus eigenständiger und vor allem sehr berührender Coming-of-Age-Roman, der eine eher jüngere Zielgruppe anspricht.

Im Mittelpunkt stehen Banjo und Finlay, die sich aus einem Jugendwohnheim kennen und deren Leben drei Jahre später ganz unterschiedlich weitergeht. Banjo kommt in eine neue Pflegefamilie und hat vor allem seine Wut nicht wirklich unter Kontrolle, während Finlay zum Studium nach Edinburgh zieht und sich am liebsten von allen Menschen fernhält. Was die beiden verbindet, ist eine gemeinsame Vergangenheit, über die lange nur Andeutungen gemacht werden. In Rückblenden setzt sich nach und nach zusammen, was damals zwischen ihnen passiert ist.

Gerade diese beiden Figuren haben mich schnell für sich eingenommen. McDonald erzählt sehr empathisch von ihrer Wut, ihrer Einsamkeit und ihrem Schwierigkeiten, anderen zu vertrauen und Nähe zuzulassen, ohne sie dabei auf ihre Vergangenheit zu reduzieren. Besonders interessant fand ich die Perspektive zweier Jugendlicher, die im Heim- und Pflegesystem aufgewachsen sind und deren Erfahrungen sie auch Jahre später noch begleiten. Dazu kommen Themen wie familiäre Konflikte, Gewalt, Krankheit und Queerness, die sich erstaunlich selbstverständlich in die Geschichte einfügen.

Sprachlich hat mir der Roman ebenfalls sehr gut gefallen. Die klare, direkte Sprache passt hervorragend zu den Figuren und dem Setting. Besonders Banjos Dialekt, der auch in der Übersetzung wunderbar funktioniert, verleiht ihm noch einmal eine ganz eigene Stimme. Überhaupt schafft es McDonald, die unterschiedlichen Charaktere sehr glaubwürdig zu zeichnen. Man versteht ihre Handlungen, selbst wenn man sie nicht immer gutheißen kann.

Lediglich gegen Ende wurde mir emotional etwas zu dick aufgetragen. Nach all dem, was Banjo und Finlay erlebt haben, gönnt man ihnen natürlich jedes bisschen Glück. Die Entwicklung war mir dann aber doch stellenweise zu glatt und zu versöhnlich. Ein bisschen weniger Kitsch und etwas mehr Ambivalenz hätten dem Roman meiner Meinung nach gutgetan.

Trotzdem bleibt vor allem eines: Ich habe Banjo und Finlay sehr gerne begleitet und ihre Geschichte hat mich wirklich berührt. Glasgow Boys erzählt davon, wie prägend fehlende Geborgenheit sein kann, aber auch davon, wie wichtig es ist, Menschen zu haben, die einen nicht auf das reduzieren, was einem widerfahren ist. Eine eindringliche und lesenswerte Coming-of-Age-Geschichte.