Beklemmend, spannend und atmosphärisch

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Wenn die Tochter eines neunzigjährigen Mannes, der zu Hause stirbt, sich bei Pflegedienst und Polizei meldet, weil sie denkt, dass ihr Vater keines natürlichen Todes gestorben ist, wie ist das zu bewerten? Vor der Frage steht Hanna in ihrem neuen Fall. Und das ist nur der Beginn einer wirklich spannenden Geschichte.

Was mir von diesem Buch vor allem bleibt, ist dieses beklemmende Gefühl. Schon die Landschaft und die Jahreszeit strahlen so eine spröde Kälte aus, und dann kommen noch diese Taten dazu. Das fand ich teilweise wirklich schwer auszuhalten.

Meine Autokorrektur hat aus „Gnadenopfer“ irgendwann „Gnadenloser“ gemacht, und ehrlich gesagt dachte ich: Das passt eigentlich ziemlich gut. Denn mit Gnade hat das, was den alten Menschen hier widerfährt, wirklich wenig zu tun.

Überhaupt hat mich der Umgang mit den alten Menschen ziemlich beschäftigt. Ihre Schwäche, ihre Langsamkeit und vor allem ihre Einsamkeit werden von verschiedenen Seiten ausgenutzt. Und das teilweise von Menschen, auf die sie eigentlich angewiesen sind und denen sie vertrauen müssen.

Mit einigen Figuren und Beziehungen hatte ich dagegen so meine Probleme. Vor allem Hanna und Daniel konnte ich nicht immer ganz nachvollziehen. Klar, zwischen den beiden gibt es Unausgesprochenes. Aber wenn man sich einmal so nahestand und dann weiterhin jeden Tag zusammenarbeitet, fällt es mir schwer zu glauben, dass man bestimmte Dinge über so lange Zeit einfach nicht anspricht. Auch manche Konflikte im Pflegeteam fand ich wirklich schwer auszuhalten und habe mich beim Lesen ziemlich geärgert.

Gleichzeitig hat das Buch bei mir genau das geschafft, was ein Krimi schaffen soll: Ich habe ständig mitgerätselt. Ich hatte verschiedene Theorien, habe sie wieder verworfen und zwischendurch wirklich jeden verdächtigt. 😉

Zum Ende hin nimmt die Geschichte dann noch einmal richtig Fahrt auf. Da wollte ich unbedingt wissen, wie alles zusammenhängt und ob ich mit meinen Vermutungen richtiglag.

Insgesamt hat mich das Buch vor allem durch seine kalte, bedrückende Atmosphäre gepackt. Und tatsächlich ist es gar nicht unbedingt die Auflösung des Kriminalfalls, die bei mir am stärksten hängen bleibt, sondern der Blick auf die Verletzlichkeit und Einsamkeit alter Menschen und darauf, wie leicht beides ausgenutzt werden kann.