Erwartungen erfüllt

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alex_buchgeplauder Avatar

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Ich bin schon seit einer gefühlten Ewigkeit ein eingefleischter Viveca Sten-Fan - und natürlich habe ich mich auch wieder wie verrückt auf den neuen Band ihrer Åre -Morde-Reihe gefreut. GNADENOPFER ist der fünfte Fall für Hanna Ahlander.
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Darum geht’s: Jemand hat es auf hilfsbedürftige Senioren abgesehen. Die Opfer sind allesamt Klienten des Pflegedienstes, den Hannas beste Freundin Karro vor Kurzem übernommen hat. Nur langsam regt sich ein Verdacht, dass es sich nicht um natürliche Tode aus Altersschwäche handelt. Hanna folgt bei den Ermittlungen ihrer Intuition und muss gleichzeitig gegen die aufgestauten Konflikte mit ihrem Kollegen Daniel ankämpfen.
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Den Klappentext habe ich mir erst durchgelesen, als ich das Buch physisch in Händen gehalten habe und war direkt elektrisiert. Da war gleich dieses gewisse Kribbeln im Bauch – und das hatte erst mal gar nichts mit der beschriebenen Krimi-Handlung zu tun. Vielmehr war ich sofort on fire, was das persönliche Spannungsverhältnis zwischen Hanna und Daniel und die Weiterentwicklung ihrer zwischenmenschlichen Geschichte betrifft. Dazu muss ich sagen, dass ich eine Leserin bin, die es bei Krimis & Thrillern nicht stört, wenn das Privatleben der Ermittler einen großen Raum einnimmt. Voraussetzung ist natürlich, dass mich die Charaktere auf besondere Art und Weise catchen. Das ist bei Hanna Ahlander und Daniel Lindskog eben der Fall. Viveca Sten hat es tatsächlich geschafft, mit ihnen bereits zum zweiten Mal ein Ermittlerduo zu entwickeln, dass mich begeistert, auch abseits der Fälle interessiert und gefühlstechnisch mitnimmt. Schon in Stens Sandhamn-Reihe war ich ein riesiger Fan der Protagonisten Thomas Andreasson & Nora Linde mit ihrer besonderen Beziehung und Dynamik. Diesen Effekt kann Sten mit Ahlander & Lindskog bei mir nahezu 1:1 wiederholen. Beide sind rein menschlich sehr stark und nachvollziehbar ausgearbeitet. Und dieses Nie-der-rechte-Zeitpunkt-Drama zwischen den beiden… es trifft mich emotional total. Ich lieb’s einfach! GNADENOPFER lebt zunächst von der explosiven Stimmung zwischen den beiden. Darauf folgt die Annäherung. Und dann… Okay, ich habe früh geahnt, worauf es diesmal hinausläuft, aber das hat es nicht weniger fesselnd gemacht.
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Soweit zu meinen persönlichen Vorlieben, was die private Rahmenhandlung in der Reihe betrifft. Zeit zum Wesentlichen zu kommen – und das sollte in einem Krimi nun mal trotz allem immer der Fall sein. Sten ist es mit ihrem natürlichen und flüssigen Schreibstil auch in GNADENOPFER wieder gelungen, mich in Sekundenschnelle in die Geschichte hineinzuziehen. Kurze Kapitel sorgen für Tempo und treiben die Handlung zügig voran. Der Spannungsbogen schlägt sich dadurch fast wie von selbst. Das gewählte Thema ist am Puls der Zeit. Der beschriebene Pflegenotstand und der Umgang mit dem Alter – das macht beim Lesen schon was mit einem und rührt an gewisse Punkte, die man normalerweise lieber verdrängt. Die kurzen Abschnitte aus der Täterperspektive liefern Gänsehautmomente. Es geht also darum, die Identität des selbsternannten Gnadenengels aufzudecken. Dabei sorgen unterschwellig gärende und immer offener ausbrechenden Konflikte innerhalb des Pflegedienstes für Brisanz und zahlreiche Verdachtsmomente. Recht früh hat die Autorin mich auf eine bestimmte Fährte geleitet… Wohin diese Spur führt, müsst ihr selbst lesen.
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Ich muss sagen, dass GNADENOPFER für mich persönlich jetzt nicht unbedingt der allerüberraschendste und stärkste Fall ist, den Viveca Sten zu Papier gebracht hat. Der Handlungsverlauf ist in vielerlei Hinsicht schon recht vorhersehbar. Der private Handlungsstrang um Hanna & Daniel rückt sehr stark in den Vordergrund. Mit der Auflösung des eigentlichen Falls geht es da fast schon etwas Holterdiepolter von Statten und die Person und Motivation des Täters kommt vergleichsweise zu kurz. Aber, hey, so what? Mir hat das mal so gar nichts ausgemacht, weil das Zusammenspiel aller mir persönlich wichtigen Komponenten trotzdem so verdammt gut funktioniert hat. Spannung: Check. Lesesog: Doppel-Check. Emotionen: Absolut Check. Alles in allem war ich durchweg an die Seiten gefesselt, habe mich bestens unterhalten gefühlt und das Buch damit absolut gerne, begeistert und rasend schnell weggelesen.
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Fazit: Viveca Sten spielt ihre Stärken einmal mehr aus. GNADENOPFER hat mir wieder alles geliefert, was für mich so typisch Viveca Sten ist und was sie über die Jahre zu einer meiner absoluten Lieblingsautorinnen gemacht hat. Ich persönlich liebe es, dass ich bei ihr mehr als nur Krimi bekomme. Tatsächlich habe ich das Buch mit einem dramatischen Seufzer zugeklappt. Ich könnte mich jetzt sicherlich an kleineren Kritikpunkten hochziehen – aber das mache ich nicht, weil das Fangirl in mir wieder absolut befriedigt worden ist. GNADENOPFER hat meine Erwartungen erfüllt. Die Vorfreude auf die Fortsetzung ist riesig!