Kein leicht verdauliches Thema

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Nachdem Viveca Sten ihre Mittsommer-Reihe „eingemottet“ hat, hatte man schon vier Bände Zeit, sich an Hanna Ahlander zu gewöhnen. Kehrt man mit „Gnadenopfer“ nun wohlig heim oder gibt es erste „Verschleißerscheinungen“?

Worum es geht, sei krimi-/thrillergerecht nur knapp umrissen: In Åre sterben einige Senioren – völlig normal sollte man meinen, bis auf den Umstand, dass Hanna nicht an normale Umstände, sondern an einen Todesengel glaubt. Doch seit ihrem Streit mit Daniel muss sie auf sich selbst gestellt ermitteln, noch dazu gibt es eine weitere Leiche, sodass der Zeitdruck immer größer wird …

Zunächst mal sollte man wohl festhalten, dass das Thema „Todesengel“ nichts ist, was man (zwingend) leicht verdaut. Allerdings ist die Beschäftigung mit dem Thema „Wie leben alte Menschen, was bewegt Pflegekräfte, sich ‚gegen ihre Schutzbefohlenen zu wenden“ usw.“ eines, das zu wenig diskutiert wird. Insofern betreibt Sten Gesellschaftskritik, die sie in eine Krimihandlung bettet, um das Thema emotionaler aufladen zu können. Das ist auch geschickt gemacht, zumal mit Hannahs Freundin Karro jemand direkt involviert ist. Und genau das spiegelt sich auch in den wechselnden Erzählperspektiven wider, was zudem dafür sorgt, dass automatisch Spannung entsteht, weil man ja wissen will, was im anderen Strang bzw. der anderen Perspektive weitergeht. Kontraproduktiv für die Spannung ist jedoch das „Privatgeplänkel“ zwischen Hannah und Daniel, das doch einiges an Raum einnimmt und man sich stellenweise fragt, ob da wirklich die Rede von zwei Erwachsenen ist (das Gefühl hatte ich auch in der Mittsommer-Reihe mal – und irgendwie hat die Autorin es da auch wieder hingekriegt). Allerdings ist auch das letztlich geschickt angelegt, weil Sten über diese Mordserie Bewegung in die verfahrene Situation zwischen den beiden bringen kann. Daneben schickt Sten ihre Leserschaft auf die eine oder andere falsche Fährte (zumal man durch die Einschübe aus Tätersicht glaubt, einen Wissensvorsprung zu haben), um gegen Ende hin nochmals richtig „aufzudrehen“. Dargeboten wird das im von der Autorin schon gewohnten flüssig lesbaren Schreibstil. Alles in allem liest „Gnadenopfer“ sich etwas weniger spannend als die ersten vier Bände der Reihe, denn von den knapp 500 Seiten wird ein guter Teil in „Privatkram“ investiert, die Stimmung ist düster bzw. macht nachdenklich, weshalb es 3,5 aufgerundete Sterne gibt, weil man natürlich wissen will, wie es in Åre weitergeht.