Leider nicht so stark wie die Vorgänger

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missmarie Avatar

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"Manchmal frage ich mich, warum Schweden seine alte Menschen so schlecht behandelt. Ich denke oft daran, wie einsam die Alten in ihren letzten Jahren sind."

Einsam zuhause, der einzige regelmäßige Besuch kommt vom Pflegedienst, alte Freund und Wegbegleiter sind schon lange tot - so stellt sich das Leben für viele der Senioren dar, die vom Pflegedienst Stjärnan betreut werden. Im Umfeld der häuslichen Altenpflege spielt Viveca Stens fünfter Roman mit der Ermittlerin Hanna Ahlander, die mittlerweile auch auf Netflix zu sehen sind. Zunächst beginnt alles sehr langsam: Während der Leser schon nach wenigen Seiten weiß, dass hier ein verkappter Gnadenengel alte Menschen "erlöst", indem er sie tötet, steht die Polizei noch lange nicht auf dem Plan. Es braucht erst eine resolute Angehörige, bis überhaupt (etwa auf der Hälfte des Krimis) Ermittlungen aufgenommen werden. In "Gnadenopfer" geht es zunächst also erst einmal darum, dem Verbrechen überhaupt auf die Spur zu kommen. Denn alte Menschen sterben nun mal, wie es gleich an mehreren Stellen des Romans heißt.

Diese langsame Erzählweise und die im Vergleich zu den vier vorausgegangenen Fällen eher weniger aufsehenerregende Mordfälle machen "Gandenopfer" zu einer Art Ausreißer unter den Are-Krimis. Deutlich steht das schwedische Pflegesystem mit seiner zunehmenden Privatisierung im Fokus. Wir Lesende erfahren schnell, dass sich Wirtschaftlichkeit und würdevolles Begleiten im Alter nicht vereinbaren lassen. Die Kritik am Umbau des schwedischen Wohlfahrtsstaates schwingt in fast jedem Kapitel mit. Das ist durchaus gewollt, wenn man den Ausführungen der Autorin im Nachwort folgt. Parallel zum deuten System drängen sich übrigens schnell auf.

Weil neben der Sozialkritik auch die Beziehung der Ermittlerfiguren und ihr Privatleben viel Raum einnehmen, bleibt für die eigentliche Krimihandlung nur wenig Platz. Tatsächlich ist die auch schnell erzählt. Der Plot - Tod aus vermeintlicher Gnade - ist klar. Die Verdächtigen lassen sich auf die Mitarbeiter von Stjärnan eingrenzen. Hier wird die ein oder andere Finte gelegt, damit die Aufklärung nicht all zu offensichtlich ist. Allerdings greift Sten auf einen erzählerischen Kniff zurück, der das Miträtseln ohnehin schwierig macht. Kriminalistisch, das muss man daher leider sagen, ist der Roman nicht so stark wie die anderen Bücher.