Missstände in der Pflege, authentisch und subtil spannend dargestellt!

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Inhalt
Wenn ein alter, schwerkranker Mensch vom Pflegedienst in seinem Bett tot aufgefunden wird, ist das nichts Außergewöhnliches und auch kein Anlass für eine Obduktion, sofern keine Spuren äußerer Gewalteinwirkung sichtbar sind. Wenn allerdings mehrere alte Menschen, Klienten desselben privaten Pflegedienstes, innerhalb weniger Wochen in ihren Betten versterben, werden zumindest wache Geister wie Hanna Ahlander aufmerksam. Hanna vermutet, dass jemand die alten Menschen ermordet hat, findet zunächst aber kaum Gehör bei ihren Kollegen von der Mordkommission. Die anhaltende Funkstille zwischen ihr und ihrem Kollegen Daniel nach einem Streit wird zum Problem, denn die beiden haben immer hervorragend zusammengearbeitet. Auch die Tatsache, dass Hannas Freundin Karro, die auch die Schwester ihres Kollegen Anton ist, als Leiterin des betroffenen Pflegedienstes tätig ist, macht die Sache nicht einfacher. Erst als Hanna im Alleingang einige verdächtige Umstände ans Licht gebracht hat, bekommt sie Verstärkung durch ihre Kollegen.

Beurteilung
Auch wenn der fünfte Teil der Reihe um Hanna Ahlander hinsichtlich des Kriminalfalls in sich abgeschlossen ist, sollte man die Bücher der Reihe in der korrekten Reihenfolge lesen, da auch die beruflichen und privaten Verstrickungen der Romanfiguren eine relativ große Rolle spielen.
Die Autorin hat sich auch im fünften Band ihrer Reihe wieder eines gesellschaftlichen Missstandes angenommen, der nicht nur in Schweden, sondern auch in weiteren europäischen Ländern zu beklagen ist: die katastrophale Situation im Hinblick auf die Pflege alter Menschen. Wer keinen Platz in einem Pflegeheim bekommen hat, ist auf häusliche Pflege durch kommunale oder private Pflegedienste angewiesen. Die Mitarbeiter dieser Pflegedienste sind eher unterbezahlt und überfordert, ihre Besuche bei den Klienten sind durch Zeitdruck bestimmt. Unter diesen suboptimalen Bedingungen wäre es nicht verwunderlich, wenn es bei der Verabreichung von Medikamenten zu fatalen Fehlern käme. Das ist auch Hannas erster Gedanke, aber dann mehren sich die Hinweise, dass jemand die hilflosen Menschen absichtlich tötet. Bei einigen Pflegebedürftigen sind Wertgegenstände abhandengekommen, sollen Diebstähle vertuscht werden? Der Leser ist den Ermittlern voraus, denn in eingeschobenen Tagebucheinträgen eines selbsternannten „Gnadenengels“ wird ersichtlich, dass jemand glaubt, die Schwerkranken von ihren Leiden „erlösen“ zu müssen.
„Gnadenopfer“ ist nicht von reißerischer Hochspannung und Blutvergießen bestimmt, trotzdem kommt beim Leser unwillkürlich durch die Sorge um die alten Menschen, deren Hilf- und Wehrlosigkeit eindrücklich dargestellt werden, Spannung auf. Besonders fürchtet man um das Leben einer älteren Patientin namens Kerstin, die in ihrer problematischen Familiensituation detailliert vorgestellt wird.
Die Autorin weckt geschickt Empathie mit dieser körperlich kranken, aber geistig hellwachen alten Dame, die dem Leser ans Herz wächst.
Im Verlauf der Handlung ergeben sich mehrere Verdächtige, sodass trotz relativ früher Kenntnis des Mordmotivs erst spät aufgelöst wird, welche der verdächtigen Personen für die Todesfälle verantwortlich ist.

Fazit
Inhaltlich düster und bedrückend, gibt „Gnadenopfer“ einen authentischen und hervorragenden Einblick in die desolate Pflegesituation und bietet auch ohne reißerische Szenen viel Spannung.