Wenn der Pflegenotstand zum Kriminalfall wird
Ein beliebter Skiort in Nordschweden, mehrere Todesfälle und eine Gemeinsamkeit, die zunächst wenig verdächtig erscheint: Alle Opfer sind über 60 Jahre alt. Doch Hanna Ahlander ahnt schnell, dass hinter den Todesfällen mehr steckt. Während sie und ihr Kollege Daniel Lindskog ermitteln, gerät auch ihre ohnehin angespannte Zusammenarbeit zunehmend unter Druck.
Mit „Gnadenopfer“, dem fünften Band der Reihe Die Åre-Morde, liefert Viveca Sten einen Schweden-Krimi, der neben der eigentlichen Ermittlungsarbeit auch ein gesellschaftlich relevantes Thema aufgreift: die Situation älterer Menschen und den Pflegenotstand.
Meine Meinung
Besonders gut gefallen hat mir genau diese gesellschaftliche Ebene. Der Fall lenkt den Blick auf Menschen, die im Alter auf Unterstützung angewiesen sind, auf fehlende Zeit und Ressourcen in der Pflege und darauf, wie wenig sich an den bestehenden Missständen verändert. Wie gehen wir als Gesellschaft mit älteren Menschen um? Wer kümmert sich um sie, wenn das Pflegesystem an seine Grenzen kommt? Diese Fragen geben der Geschichte eine zusätzliche Tiefe und machen sie für mich interessanter als einen Kriminalfall, der sich ausschließlich auf die Suche nach dem Täter oder der Täterin konzentriert.
Die Ermittlungen selbst haben mich allerdings nicht komplett überzeugen. Stellenweise wirkte die Handlung auf mich etwas zu konstruiert, und auch Hanna Ahlander war mir in manchen Situationen zu naiv. Dazu kommen zahlreiche falsche Fährten und die Verknüpfung des Falls mit dem Privatleben der Ermittlerin. Gegen Ende scheint gefühlt jede Person verdächtig zu sein. Auf die tatsächliche Auflösung wäre ich jedenfalls nicht gekommen. Das sorgt zwar für Überraschung, hat mich aber nicht unbedingt vollständig überzeugt. Der Kriminalfall wird abgeschlossen, gleichzeitig deutet das Ende bereits an, dass es mit Hanna Ahlander weitergehen wird. Vor allem einige ihrer privaten Angelegenheiten dürften in den kommenden Bänden noch eine Rolle spielen.
Gehört habe ich das ungekürzte Hörbuch aus dem DAV, das von Vera Teltz gelesen wird. Sie macht einen wirklich tollen Job: Ihre Stimme passt für mich gut zur Geschichte und trägt durch die knapp elf Stunden Laufzeit. Die deutsche Übersetzung stammt von Dagmar Lendt. Da dies mein erstes Buch von Viveca Sten war, kann ich die Reihe und ihre Entwicklung noch nicht vergleichen.
Mein Fazit
Ein solider Schweden-Krimi mit einer gelungenen gesellschaftlichen Komponente, aber auch einigen konstruierten Wendungen und Schwächen in der Figurenzeichnung. Für mich kein durchgängiges Highlight, aber durchaus unterhaltsam und mit einem Thema, das über den Kriminalfall hinaus zum Nachdenken anregt.
Werbung | Digitales Rezensionsexemplar, vielen Dank an NetGalley.de und den DAV.
Mit „Gnadenopfer“, dem fünften Band der Reihe Die Åre-Morde, liefert Viveca Sten einen Schweden-Krimi, der neben der eigentlichen Ermittlungsarbeit auch ein gesellschaftlich relevantes Thema aufgreift: die Situation älterer Menschen und den Pflegenotstand.
Meine Meinung
Besonders gut gefallen hat mir genau diese gesellschaftliche Ebene. Der Fall lenkt den Blick auf Menschen, die im Alter auf Unterstützung angewiesen sind, auf fehlende Zeit und Ressourcen in der Pflege und darauf, wie wenig sich an den bestehenden Missständen verändert. Wie gehen wir als Gesellschaft mit älteren Menschen um? Wer kümmert sich um sie, wenn das Pflegesystem an seine Grenzen kommt? Diese Fragen geben der Geschichte eine zusätzliche Tiefe und machen sie für mich interessanter als einen Kriminalfall, der sich ausschließlich auf die Suche nach dem Täter oder der Täterin konzentriert.
Die Ermittlungen selbst haben mich allerdings nicht komplett überzeugen. Stellenweise wirkte die Handlung auf mich etwas zu konstruiert, und auch Hanna Ahlander war mir in manchen Situationen zu naiv. Dazu kommen zahlreiche falsche Fährten und die Verknüpfung des Falls mit dem Privatleben der Ermittlerin. Gegen Ende scheint gefühlt jede Person verdächtig zu sein. Auf die tatsächliche Auflösung wäre ich jedenfalls nicht gekommen. Das sorgt zwar für Überraschung, hat mich aber nicht unbedingt vollständig überzeugt. Der Kriminalfall wird abgeschlossen, gleichzeitig deutet das Ende bereits an, dass es mit Hanna Ahlander weitergehen wird. Vor allem einige ihrer privaten Angelegenheiten dürften in den kommenden Bänden noch eine Rolle spielen.
Gehört habe ich das ungekürzte Hörbuch aus dem DAV, das von Vera Teltz gelesen wird. Sie macht einen wirklich tollen Job: Ihre Stimme passt für mich gut zur Geschichte und trägt durch die knapp elf Stunden Laufzeit. Die deutsche Übersetzung stammt von Dagmar Lendt. Da dies mein erstes Buch von Viveca Sten war, kann ich die Reihe und ihre Entwicklung noch nicht vergleichen.
Mein Fazit
Ein solider Schweden-Krimi mit einer gelungenen gesellschaftlichen Komponente, aber auch einigen konstruierten Wendungen und Schwächen in der Figurenzeichnung. Für mich kein durchgängiges Highlight, aber durchaus unterhaltsam und mit einem Thema, das über den Kriminalfall hinaus zum Nachdenken anregt.
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