Das Ende weiblicher Verfügbarkeit

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gormflath Avatar

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Meine Tochter folgt dem YouTube-Kanal der Content-Creatorin und machte mich auf das Buch von Silvi Carlsson aufmerksam. Ich gehöre noch zu der Generation, der man beibrachte, als Mädchen brav und nett zu sein und nur nicht aufzumucken. Wenn uns in den 1970er Jahren ein Mann hinterher pfiff, empfanden wir eine Mischung aus Geschmeicheltsein und Scham. Auch wenn ich inzwischen längst weiß, dass der Kerl, der mir hinterher gepfiffen oder gar noch eine anzügliche Bemerkung machte, mich auf einige Körperstellen reduzierte, war ich sehr gespannt auf dieses Buch.
Silvi Carlsson, die mit ihren Inhalten auf den Accounts bei Instagram und YouTube mehr als 500.000 Menschen erreicht, studiert derzeit noch Psychologie. Auf Social Media tritt sie für feministische und gesellschaftskritische Themen ein.
In ihrem Buch verabschiedet sie sich von der Rolle der ewig netten Frau und erklärt uns, was passiert, wenn wir endlich unsere eigenen Bedürfnisse ernst nehmen anstatt unser Leben nach anderen auszurichten. Sie zeigt, wie tief der Good-Girl-Komplex in uns Frauen verankert sitzt, und das spüren wir in unseren Beziehungen, bei unserer Karriere im Arbeitsleben und natürlich jeden Tag im eigenen Körper.

Im ersten Teil des Buches beleuchtet sie, wie Scham und Schuld unser Leben organisiert, wie wir in toxische Beziehungen geraten und warum wir uns oft gestresst fühlen und innerlich ausbrennen. Der zweite Teil lässt uns nach und nach der Realität ins Auge blicken. Wir lernen, wie wir uns auf uns selbst konzentrieren und was geschieht, wenn wir uns verweigern und plötzlich nicht mehr in gewohnter Weise zur Verfügung stehen und Männer nicht mehr in den Mittelpunkt unseres Denkens gestellt werden.

Durch ihre persönlichen Erfahrungen im Umgang mit Depressionen und Angststörungen gelang Silvi Carlsson ein sehr empathisches und authentisches Buch. In vielen der geschilderten Szenen konnte ich mich beim Lesen wiedererkennen. Sehr oft wurde mir beim Lesen bewusst, wie sehr ich mein Leben lang versucht habe, es allen recht zu machen und dabei oft selbst auf der Strecke blieb. Die aufgezeigten Schilderungen zeigen, wie sehr wir uns stressen lassen und das auch noch „normal“ finden. Das Buch regt dazu an zu reflektieren und brachte mich oft zum Nachdenken.
Der Schreibstil der Autorin ist flüssig, man spürt ihr Engagement für ein Leben nach unseren eigenen Bedürfnissen. Der Inhalt ist eine Mischung aus persönlichen Erfahrungen der jungen Autorin, gesellschaftlichen Erfahrungen und wissenschaftlichen Fakten, die die Autorin psychologisch einordnet. Die Quellenangaben am Ende des Buches zeigen, wie intensiv sich die Autorin mit dem Thema auseinandergesetzt hat.
Ich habe das Buch sehr gern gelesen, es ist ein Titel, den man immer wieder in die Hand nimmt: ein wichtiges Buch zum Thema Woman Empowerment.