Guter Einstieg, aber mit Luft nach Oben

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laras.zeilenzauber Avatar

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„Jungs werden nicht dazu erzogen, Männer zu sein, sondern sie werden dazu erzogen, keine Frauen zu sein.“

Good Girl Exit ist ein Buch, in welchem Silvi Carlsson anhand eigener persönlicher Erfahrungen, psychologischen Erkenntnissen und gesellschaftlichen Beobachtungen die Good-Girl-Prägung von weiblich gelesenen Personen analysiert. Im Vornherein habe ich mich sehr auf dieses Buch gefreut, da ich Silvi’s Einordnungen und Analysen von Beziehungsdynamiken auf YouTube sehr gerne anschaue und daraus im Laufe der Jahre sehr viel mitgenommen habe.

Bei Good Girl Exit handelt es sich um das erste Buch der Autorin und dies merkt man am Schreibstil absolut nicht. Es lässt sich sehr leicht und verständlich lesen; Fachbegriffe werden zusätzlich erklärt und die Abschnitte und Kapitel waren sehr gut gewählt. Somit lädt das Buch dazu ein, auch in nicht-chronologischer Reihenfolge zu lesen. Emotionale Verfügbarkeit, die Stressreaktion Fawn, weibliche Scham und der Male-Gaze waren unter anderem Themen, welche in diesem Werk besprochen wurden. Zugegeben, nur weniges davon war für mich Neuland, als Frau, welche sich selbst bereits viel mit solchen Themen auseinandergesetzt hat - sei es privat oder im Studium. Dies hat für mich die Frage aufgeworfen, an welche Zielgruppe dieses Buch gerichtet ist. An dieser Stelle setzt auch meine Kritik ein. Ich wollte das Buch wirklich lieben, aber leider hat mir an einigen Stellen die Tiefe gefehlt. Teilweise hatte ich das Gefühl, gerade richtig in einem Thema angekommen zu sein, da ging es auch schon zum nächsten über. Ein paar Themenschwerpunkte weniger und dafür mehr Tiefe an anderen Stellen wäre für mich als Leserin lehrreicher gewesen. Silvi’s persönliche Schilderungen haben mich sehr berührt und mir auch sehr gefallen, teilweise wirkten sie jedoch abgetrennt von der restlichen Erzählung. Hier hätte ich mir gewünscht, dass diese Abschnitte nicht mit den Unterkapiteln so stark voneinander abgegrenzt und stattdessen stärker im Text verwoben wären. Im zweiten Teil des Buches, der sich mit dem Ende weiblicher Verfügbarkeit auseinandersetzt, hätte ich mir mehr alltagsnahe Beispiele gewünscht. Auch das Konzept des „Decenter Men“ fand ich sehr spannend, allerdings hätte ich mir dazu konkretere Anwendungsbeispiele gewünscht.
Dass der Fokus in Gesprächen bei Freund*innenschaften immer bei Männern liegt, fand ich persönlich auch etwas pauschalisiert. Selbstverständlich kann und will ich nicht leugnen, dass Männer in unserer patriarchalen Gesellschaft im Zentrum stehen, dennoch kann ich aufgrund eigener Erfahrungen und Gesprächen mit befreundeten Personen dieser These auch widersprechen. In meinen (u.a. queeren) Freund*innenschaften wird doch herzlich wenig über Männer gesprochen und das nicht unbedingt aus einer bewussten Entscheidung heraus.

Insgesamt habe ich Good Girl Exit von Silvi Carlsson als ein gutes Einstiegswerk wahrgenommen, welches sich flüssig lesen lässt und wichtige Themen behandelt. Wenn jemand sich also bisher nur grob bis gar nicht mit feministischen und gesellschaftskritischen Themen auseinander gesetzt hat, kann ich dieses Werk nur empfehlen. Wer sich jedoch bereits sehr gut in diesen Themengebieten auskennt, sollte vielleicht eher zu einem vertiefenderen Buch greifen.