Starke Botschaft, verhaltene Umsetzung

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Good Girl Exit von Silvi Carlsson beschäftigt sich mit Themen, die viele Frauen aus ihrem Alltag kennen: gesellschaftliche Erwartungen, weibliche Verfügbarkeit, Anpassungsdruck und die Frage, wie man sich von festgelegten Rollenbildern lösen kann. Schon das auffällige Cover macht neugierig und vermittelt den Eindruck eines kämpferischen Manifests, das mit traditionellen Vorstellungen von Weiblichkeit aufräumt. Gerade deshalb hatte ich hohe Erwartungen an das Buch.

Die Grundidee finde ich ausgesprochen wichtig und relevant. Silvi Carlsson spricht Aspekte des Frauseins an, die oft unausgesprochen bleiben, und macht deutlich, wie tief gesellschaftliche Strukturen in unser Denken und Handeln eingreifen. Die kurze Handlung beziehungsweise die erzählerischen Elemente dienen dabei vor allem dazu, diese Themen zu beleuchten. Inhaltlich hat mich das Buch daher durchaus angesprochen.

Allerdings hatte ich gerade in der zweiten Hälfte das Gefühl, dass sich viele Gedanken und Beobachtungen wiederholen. Während die ersten Kapitel interessante Denkanstöße liefern, verliert der Text später etwas an Dynamik. Für Leserinnen, die sich bereits intensiv mit Feminismus, Gleichberechtigung und den gesellschaftlichen Erwartungen an Frauen beschäftigt haben, bietet das Buch meiner Meinung nach nur wenige wirklich neue Erkenntnisse. Viele der angesprochenen Probleme sind bekannt, und die Perspektiven darauf wirkten für mich nicht besonders originell oder überraschend.

Der Schreibstil ist insgesamt gut verständlich und zugänglich. Carlsson formuliert klar und nachvollziehbar, sodass sich das Buch leicht lesen lässt. Gleichzeitig hätte ich mir an manchen Stellen mehr Zuspitzung oder neue Blickwinkel gewünscht, um die Argumentation spannender zu gestalten.

Besonders interessant fand ich die Diskrepanz zwischen der Wirkung des Covers und dem eigentlichen Inhalt. Das Cover verspricht beinahe ein radikales Manifest gegen weibliche Verfügbarkeit und gesellschaftliche Erwartungen. Letztlich konzentriert sich das Buch jedoch stärker darauf, die Problematik aufzuzeigen, als konkrete Wege zur Veränderung zu entwickeln. Ansätze dazu sind zwar vorhanden, bleiben für mein Empfinden aber eher vorsichtig und oberflächlich.

Vielleicht gehöre ich nicht ganz zur Zielgruppe dieses Buches. Gleichzeitig frage ich mich, ob diejenigen Menschen, die von den dargestellten Themen am meisten profitieren könnten, überhaupt zu einem solchen Buch greifen würden. Das macht die Einordnung für mich schwierig.