Ein Blick in die Blase

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Dorey-Stein schreibt sehr umgangssprachlich, wobei sie durchaus Talent hat.
Der Leser sollte aber auch wissen, dass sie ein glühender, wenn nicht sogar fanatischer Obama-Anhänger ist. Und so scheint dieses Buch ein Blick in die Blase, in das viel zitierte "Establishment" zu sein.

Die Autorin wird zum Ende der ersten Amtszeit Obamas mehr durch Zufall im Weißen Haus als Stenographin angestellt. Was sie in der Zeit bis kurz nach der Amtseinführung von Präsident Trump erlebt, ist Gegenstand dieses Buches. Es sind gefühlt tausende Geschichten aus einer eher unwirklich anmutenden (Parallel-) Welt.

Die Geschichten, die Beck Dorey-Stein in chronologischer Reihenfolge erzählt, reichen von erlebnisreich bis außergewöhnlich, auch wenn die ein oder andere Geschichte an sich eigentlich nichts besonderes ist.
Zudem ist die Autorin keine unabhängige Betrachterin. Sie positioniert sich als glühende Anhängerin Obamas und schildert auch die Erlebnisse aus dieser Perspektive. Als aber feststand, dass Trump der nächste US-Präsident wird, wurde dieses Buch hässlich, insbesondere der Epilog, der vor Schmähungen und Beleidigungen nur so wimmelt.

So bekommt dieses Buch für mich einen faden Beigeschmack, der, so gut das Buch auch am Anfang war, nicht mehr verschwindet und es für mich wertlos macht. Alle feinen und schönen Stilmittel, die sie vorher verwendete, wirken nun unehrlich und gekünstelt.

So fällt auch mein Fazit entsprechend aus:
"Good Morning, Mr. President" fällt zu wertend aus und verwehrt damit dem neutralen Leser einen ehrlichen Einblick. So scheint Beck Dorey-Stein eine Vertreterin des Establishments zu sein.