Coming of Age und Freundinnenschaft im Amerika der Segregation

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belinablack Avatar

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"Goodbye, Honeysuckle" erzählt vom Erwachsenwerden zweier Schwarzer Mädchen in den amerikanischen Südstaaten der 1960er-Jahre, von Mutterlosigkeit und erster Liebe, vor allem aber von der tiefen Verbindung zweier Freundinnen.

Annie und Vernice kennen sich ihr ganzes Leben und bezeichnen einander als Familie und als diejenige Person, die sie wirklich kennt. Auch als Vernice aufs College geht und Annie sich auf die Suche nach ihrer Mutter begibt, bleiben sie eng verbunden. Tayari Jones erzählt abwechselnd aus der Perspektive der beiden Mädchen und später jungen Frauen, ergänzt durch Briefe aneinander und an andere wichtige Menschen in ihrem Leben.

Die Sprache passt sich Alter und Bildung der Protagonistinnen an. Das ist authentisch, der Roman las sich für mich dadurch allerdings zu großen Teilen wie ein Jugendbuch. Das Zitat von Oprah Winfrey auf dem Buchumschlag, es handele sich um ein „literarisches Meisterwerk“, kann ich daher nicht ganz nachvollziehen. Zumindest in der deutschen Übersetzung ist die Sprache für mich eher zugänglich und geradlinig als literarisch besonders.

Der Roman zeigt die Lebensrealität Schwarzer Mädchen und Frauen zur Zeit der Jim-Crow-Gesetze. Segregation, Rassismus, Geschlechterrollen und gesellschaftliche Erwartungen gehören zum Alltag von Annie und Vernice. Rosa Parks und Martin Luther King werden zwar erwähnt, die große politische Bühne bleibt jedoch im Hintergrund. Hier hätte es für mich durchaus politischer und anspruchsvoller werden dürfen, auch wenn die Autorin ihrer gewählten Perspektive konsequent treu bleibt.

Neben Freundinnenschaft geht es um sozialen Aufstieg und darum, was man dafür zurückzulassen bereit ist. Männer und erste Liebe spielen eine Rolle, die Hauptrollen gehören aber eindeutig den Frauen. Gerade deshalb hätte ich über einige der interessant angelegten Frauenfiguren gerne mehr erfahren.

"Goodbye, Honeysuckle" ist eine persönliche Coming-of-Age-Geschichte vor historischem Hintergrund, der für meinen Geschmack stellenweise mehr Tiefe vertragen hätte. Annie und Vernice und ihre unterschiedlichen Lebenswege habe ich dennoch gerne begleitet.