Innige Freundschaft und verlorene Mütter

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walliliest Avatar

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Die beiden schwarzen Mädchen Vernice und Annie wurden beide in Honeysuckle, Louisiana geboren. Der Roman spielt in den 1940er, 50er und 60ern, die Segregation in den USA ist gelebte Realität. Vernice verliert ihre Mutter als Kleinkind, weil ihr Vater erst ihre Mutter und dann sich selbst umbringt. Ihre Tante Irene zieht sie groß, ohne zu wissen, wie man mit Kindern spricht und nicht fähig, Gefühle zu zeigen. Dennoch gibt sie alles was sie kann um ihr Manieren beizubringen und für Bildung zu sorgen. Annie wächst bei ihrer Großmutter auf, weil ihre Mutter mit der Mutterschaft überfordert war und Annie mit nur einem Jahr zurückgelassen hat.
"Vielleicht waren wir so gefühllos großgezogen worden, weil ihre Granny und meine Tante einfach zu erschöpft gewesen waren, um uns mit Liebe zu überschütten?" Vernice, Seite 195.

Die Mädchen werden beste Freundinnen und sind alles füreinander. Beide quält die Mutterlosigkeit. "Ihr seid euren Müttern so ergeben, doch ihr seid einander mehr, als jede eurer Mütter es je sein konnte."
Tante Irene, Seite 83.

Annie beschließt Geld zu verdienen und nach ihrer Mutter zu suchen. Sie haut aus Honeysuckle ab und lässt Vernice, Niecy genannt, enttäuscht und traurig zurück. Niecy macht ihren Schulabschluss und studiert am renommierten Spelman-College für schwarze Studentinnen in Atlanta. In wechselnden Kapiteln erzählen Annie und Niecy ihre Lebensgeschichte. Dabei könnten diese unterschiedlicher nicht sein.
"Ich hatte nichts, was sie hatte, oder umgekehrt. Was uns verband, war nicht, das Gleiche zu haben. Herzen wachsen zusammen, wenn man etwas als gleich erkennt, weil einem das Gleiche passiert ist. Und wenn man das Gleiche will." Annie, Seite 120.

Annie arbeitet als Kellnerin in einer schmierigen Kneipe in Memphis und verzweifelt beinahe an der Suche nach ihrer Mutter. Niecy heiratet in eine Anwaltsfamilie ein und verleugnet doch ihre wahre Leidenschaft. "Die Welt verlangte so viel von mir. Die Liebe erforderte so viel Verrat. Manchmal an mir selbst." Vernice, Seite 406.

Nur ihrer Freundin Annie kann sie sich wirklich anvertrauen. Die "Wiegenfreundinnen" schreiben sich Briefe zwischen Memphis und Atlanta und schenken sich Nähe in ihren unterschiedlichen Leben.

Meinung:
In "Goodbye Honeysuckle" geht es um die innige Freundschaft zwischen Annie und Niecy, der Trauer um die verlorenen Mütter und um das Leben schwarzer Menschen in den Südstaaten. Die Darstellungen der Segregation und die dazugehörige Sprache sind teilweise schwer auszuhalten. Besonders die Szene im Bus hat mich tief betroffen gemacht. Annies Zwischenstopp bei Lulabelle, einer Zuhälterin, enthält Elemente von Geisterglauben, die für mich befremdlich waren. Manche Themen, wie Annies Suche nach ihrer Mutter nahmen sehr viel Raum ein und wurden dann doch so kurz zu Ende erzählt. Insgesamt habe ich Annie und Niecy ins Herz geschlossen und hätte ihnen einen anderen Schluss gewünscht.