Zwei Lebenswege im amerikanischen Süden - leider zu episodenhaft

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In den 1960ern wachsen im ländlichen Honeysuckle zwei kleine Mädchen mutterlos bei Pflegemüttern auf; Vernice/Niecy bei ihrer Tante und Annie bei ihrer Großmutter. Annie wird es auf der Suche nach ihrer Mutter nach Memphis verschlagen und Niecy wird mit Unterstützung der Kirchengemeinde das edle Schwarze Spelman-Frauen-College besuchen. Die Erzählstimmen vertreten jeweils eigene Themen: Annie die Welt der Bars und Bordelle, Niecy das Milieu der wohlhabenden, bürgerlichen, gebildeten Schwarzen.

In 43 sehr kurzen Kapiteln erzählen beide Frauen abwechselnd aus der Ichperspektive, eingeschoben sind ihre Briefe. Durch den häufigen Szenenwechsel und insgesamt zu viele Themen und Nebenfiguren wirkt der Roman auf mich zu episodenhaft und sehr viel kürzer als die angegebene Seitenzahl erwarten ließ. Ein Personenverzeichnis mit den kompletten Namen und Bezügen wäre hilfreich gewesen. An den Kapitelanfängen war mir häufig noch nicht klar, in welcher Situation sich die aktuelle Erzählerin gerade befindet, die Kapitel waren jedoch zu kurz, um einen Handlungsfaden zu verfolgen oder ein Thema zu vertiefen. Circa in der Mitte des Romans fragte ich mich, was mir Tayari Jones endlich erzählen würde, das ich nicht schon bei Zora Neale Hurston oder Charmaine Wilkerson mit mehr Tiefe gelesen habe. Wer bereits Own Voices aus dem amerikanischen Süden gelesen hat, kann diesen Roman getrost auslassen. Generell ist das Zitat, Oprah Winfrey hielte den Roman für „ein literarisches Meisterwerk“ wohl eher als Warnung zu lesen, dass es sich allein um ein gut verkäufliches Werk handelt.

Sehr knappe 3 Sterne