Berauschende Mischung aus historischem Setting, gefährlicher Magie und einer Liebesgeschichte mit Zündstoff

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sanmust Avatar

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Isabel Ibañez hat mich von der ersten Zeile an in ihren Bann gezogen!
Der Prolog wirft einen sofort mitten hinein in eine Szene, die sich unauslöschlich einbrennt: Die dreizehnjährige Ravenna, überglücklich über ihren ersten Besuch im Steinbruch, verirrt sich in die Tunnel und plötzlich bricht eine Magie aus ihr heraus, die sie nicht kontrollieren kann und die einen Mann vor ihren Augen altern und sterben lässt. Wie beiläufig, aber gnadenlos konkret Ibañez diese Urszene erzählt, hat mir regelrecht den Atem geraubt. Man spürt Ravennas Entsetzen, ihre Scham, ihr Unverständnis so unmittelbar, dass einem selbst kalt wird.

Und dann dieser Zeitsprung nach Volterra, 1478! Aus dem verängstigten Kind ist eine erwachsene Frau geworden, die ihren kleinen Bruder Antonio aus einem Käfig befreien will, in den ihn die Medici gesperrt haben. Ravenna als Figur hat mich wirklich für sich eingenommen, diese Mischung aus praktischer Härte (sie schleppt nachts heimlich eine Leiter durch die Gassen, verhandelt mit Lieferanten, führt quasi im Alleingang den elterlichen Gasthof) und der zarten, verletzlichen Künstlerseele, die insgeheim von antiken Heldinnen wie Atalanta oder Athene träumt. Diese Widersprüchlichkeit macht sie so lebendig.

Herrlich fand ich auch, wie geschickt Ibañez die Weltenbauelemente einstreut. Die Pietra Magiche mit ihren so bildhaft beschriebenen Kräften, die politische Zerrissenheit zwischen Kaiser und Papst, der ständige Balanceakt der Hexen zwischen Verstecken und Verfolgtwerde, das alles fügt sich zu einem dichten, glaubwürdigen Florenz der Renaissance zusammen, ohne dass es je wie ein trockener Info-Dump wirkt.

Und dann die Begegnung in der dunklen Gasse! Dieser kühle, atemberaubend schöne Fremde neben dem Capitano, meine Antennen für Slow-Burn-Romantasy sind sofort ausgeschlagen, zumal Ravenna sein Gesicht, kaum dass sie wieder zu Hause ist, unwillkürlich in ihre Wettstreit-Statue meißelt. Dass ausgerechnet er höchstwahrscheinlich mit der geheimnisvollen unsterblichen Familie Luni zu tun hat, deren Ankunft die Leseprobe so effektvoll cliffhangert, macht mich jetzt schon ganz kribbelig.

Besonders berührt hat mich die Szene mit den Bodones, der geächteten Familie,Ravennas leiser, aber unbeugsamer Gerechtigkeitssinn inmitten einer Gesellschaft, die so schnell mit Ausgrenzung bei der Hand ist, gibt der Geschichte neben aller Magie und allem Herzklopfen auch echtes emotionales Gewicht.

"Graceless Heart" verspricht genau die berauschende Mischung aus historischem Setting, gefährlicher Magie und einer Liebesgeschichte mit Zündstoff, die ich mir von guter Romantasy erhoffe. Ich bin restlos verzaubert und kann es kaum erwarten, Ravennas Weg in den Palast der Luni-Familie weiterzuverfolgen!