Klare Kante statt Wattebausch – aber bitte mit Blick auf die graue Schnauze

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Maren Grote trifft hier einen Nerv, der mir aus der Seele spricht, auch wenn man bei einem achtjährigen Hund wie unserer Hera ganz anders hinschauen muss als bei einem stürmischen Jungspund.

Was mir an ihrem Ansatz unheimlich gut gefällt: Sie räumt erfrischend unaufgeregt mit diesem extremen Schwarz-Weiß-Denken auf, das die Hundewelt seit Jahren spaltet. Auf der einen Seite hat man die alte Knochenmühle mit Anschreien, Rucken und blindem Gehorsam – was sie völlig zu Recht als menschliche Hilflosigkeit und Machtmissbrauch entlarvt. Auf der anderen Seite steht dieses verweichlichte Dauerfüttern, bei dem man sich nicht mal mehr traut, ein klares „Nein“ auszusprechen, aus Angst, die zarte Hundeseele zu traumatisieren. Dass sie klipp und klar sagt: Grenzen setzen ist kein Sadismus, sondern schlichtweg respektvolles, faires Sozialverhalten unter intelligenten Lebewesen – das unterschreibe ich sofort. Hunde untereinander diskutieren schließlich auch nicht mit Leckerlis, sondern zeigen durch Haltung, Blick und klare Körpersprache, wo Schluss ist.

Besonders spannend für unsere Situation mit einer Seniorin wie Hera ist allerdings das Kapitel über den Unterschied zwischen Erziehung und situativer Verhaltensanpassung: Grote stellt ganz trocken fest, dass Erziehung im eigentlichen Sinn mit dem Abschluss der Hirnreife vorbei ist. Mit acht Jahren formt man keinen Hund mehr von Grund auf neu – Hera ist längst eine gefestigte Persönlichkeit mit ihren eigenen Marotten, Stärken und Grenzen. Was sie in den letzten acht Jahren gelernt hat, sitzt. Bei einer älteren Hündin geht es nicht mehr darum, ihr mit eiserner Härte neue Lebensregeln aufzudrücken, sondern ihr situativ verständlich zu machen, was man im Moment von ihr braucht, und ihr gleichzeitig die Würde und Ruhe ihres Alters zu lassen.

Ihre Betonung darauf, dass Grenzen eine Frage der inneren Haltung sind – ruhig, besonnen, ohne Wut und Frust –, ist genau das, was ein erwachsener, treuer Hund braucht. Ein achtjähriger Hund braucht keinen Kasernenhof-Drill, aber verlässliche Leitplanken geben auch einem Senior Sicherheit und Entspannung im Alltag.

Grote verlangt vom Menschen, sich erst an die eigene Nase zu fassen, bevor man am Hund herumzerrt, und das hebt diesen Ratgeber wohltuend von der Masse ab. Für mich ein erstaunlich vernünftiges, fundiertes Buch, das man mit Respekt vor dem Alter des eigenen Tieres wunderbar lesen und beherzigen kann.