Sehr packend
Anna Schneiders Kriminalroman zieht den Leser sofort in ein beklemmendes Szenario, in dem die Grenze zwischen Naturgewalt und menschlicher Bosheit verschwimmt. Die Geschichte spielt in der Grenzregion Karwendel, die von einem historischen Unwetter heimgesucht wird. Während Alexa Jahn in Weilheim mit der Koordination zahlreicher Vermisstenmeldungen kämpft, wird klar, dass das Chaos als Deckmantel für ein Verbrechen dient: In einer Schlucht wird ein Toter gefunden, der nicht Opfer der Fluten wurde, sondern ermordet wurde.Der Einstieg ist meisterhaft konstruiert. Der Prolog vermittelt durch die Camperin Sabine eine greifbare Panik, als in der Dunkelheit eines Gewitters plötzlich ein Gesicht an ihrer Scheibe auftaucht. Parallel dazu vertiefen eingestreute Briefe einer Unbekannten die emotionale Ebene und deuten auf eine jahrelange Tragödie hin. Auch die persönlichen Konflikte der Ermittler, wie Bernhard Krammers Misstrauen gegenüber Alexas neuem Vermieter, verleihen der Handlung zusätzliche Tiefe. Schneider gelingt es hervorragend, die beklemmende Stimmung eines Katastrophengebiets einzufangen, in dem die Zivilisation buchstäblich weggespült wird. Ein packender Auftakt, der durch sein atmosphärisches Setting und das komplexe Geflecht aus Vergangenheit und Gegenwart überzeugt.