Böse Vorahnungen

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Anna Schneider erwähnt es in ihrem Nachwort und ihr Buch hat mich auch die ganze Zeit daran erinnert: die Flut an der Ahr im Juli 2021, bei der weit mehr als 100 Menschen ihr Leben verloren. Nun hat sie eine solche Katastrophe in den bayerischen Alpen im Tal der Ammer angesiedelt und auch dort fällt innerhalb von wenigen Stunden so viel Regen wie sonst in einem ganzen Monat.

Alexa Jahn und Florian Huber von der Kripo Weilheim befinden sich mitten im Geschehen. Lange ist in Weilheim die Zentrale für die eingehenden Anrufe der besorgten und betroffenen Bürger eingerichtet, bis auch dort geräumt werden muss und die Zentrale an höhere Stelle verlegt wird.

Alexa hat bereits unzählige Vermisstenmeldungen notiert. Ein Anruf von einem Bauernhof ist ihr besonders in Erinnerung geblieben und sie versucht, der Vermisstenmeldung nachzugehen. Ein alter Bauer ist mit dem Traktor losgefahren und seitdem nicht mehr gesehen worden. Seine Frau und seine Tochter vermissen ihn zuhause. In der gleichen Gegend sind zwei Wanderer, ein Mann und eine Frau unterwegs. Der Mann hat der Polizei gemeldet, dass seine Freundin sich den Fuß verknackst habe und er wird von Florian Huber zu genau diesem Bauernhof in der Nähe geschickt. Die beiden kommen jedoch dort nicht an, zumal wir Leser schon in kursiven Einschüben erfahren, dass der Mann nie plante, seiner Freundin zu Hilfe zu kommen.

Die sehr geschickt eingeflochtenen Briefe und Gedanken erzeugen eine unterschwellige Spannung, als Leser ist man den polizeilichen Ermittlern schon um einiges voraus, kann das Geschehen aber noch nicht einordnen. Erst ganz zum Schluss erschließt sich uns das ganze Ausmaß der Tragödie, die vielleicht ohne die Flutkatastrophe nie aufgedeckt worden wäre.

Über der Grenze in Innsbruck sind derweil 6 Jugendliche verschwunden. Sie waren zu einer Hütte aufgebrochen, haben sich aber seitdem nicht mehr bei ihren Eltern gemeldet. Auch in Österreich tobt ein Sturm und jede Mobilfunkverbindung ist abgebrochen.

Es sind die drei genannten Handlungsstränge, die in diesem Buch verknüpft werden und die Polizei sowohl in Weilheim als auch in Innsbruck beschäftigen. Verbindendes Element ist dabei das Wanderer-Paar, das aus Österreich in den bayerischen Alpen wandern will. Und so ermittelt auch Krammer wieder zusammen mit seiner Tochter. Alexa kann in der Einsatzzentrale nicht stillsitzen und Telefonate führen, sie macht sich getrieben von böser Vorahnung auf den Weg, um auf dem Schorn-Hof nach dem Rechten zu sehen.

Anna Schneider hat den nicht enden wollenden Regen, das Steigen der Pegelstände und das sich immer mehr mit Wasser und Schlammmassen füllende Ammertal ausgesprochen anschaulich beschrieben, man hätte glauben können, sie habe eine solche Flut bereits selbst einmal erlebt. Die Koordination der unterschiedlichen Katastrophendienste ist Aufgabe der Polizei, dort läuft alles zusammen. Anna Schneider beschreibt das Gefühl von Ausnahmezustand, von Kontrollverlust, Überarbeitung, Müdigkeit und gleichzeitiger Pflicht sehr lebensnah, die Verzweiflung der Retter, wenn sie jemanden nicht rechtzeitig erreichen konnten, war greifbar.

Jeder der Grenzfall-Krimis war bisher in sich abgeschlossen, man konnte also auch folgen, wenn man die Vorgängerbände nicht kannte. Für mich war „Ihr Grab in den Fluten“ einer der besten Krimis in der Reihe.