Wenn das Wasser steigt und Geheimnisse auftauchen!

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frangipani Avatar

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Schon die ersten Seiten von Grenzfall haben mich gepackt. Dieses Gefühl von Ausnahmezustand, von Kontrollverlust und gleichzeitiger Pflicht, weiterzumachen, zieht sich wie ein reißender Strom durch die gesamte Geschichte. Heftige Unwetter lassen die Grenzregion im Karwendel zur Katastrophenzone werden: überflutete Orte, Vermisste, erschöpfte Einsatzkräfte - und mitten in diesem Chaos ein Mord, der nicht übersehen werden kann.

Oberkommissarin Alexa Jahn steht unter enormem Druck. Während überall Menschen Hilfe brauchen, soll sie koordinieren, beruhigen, funktionieren - und ermitteln. Gerade dieser innere Konflikt macht sie für mich so greifbar. Alexa ist nah an den Menschen, manchmal vielleicht zu nah, zu sehr auf Einzelschicksale fokussiert, während andere versuchen, den Überblick zu behalten. Diese Gegensätze wirken nicht konstruiert, sondern erschreckend real.

Besonders eindrücklich fand ich die Schilderung der Katastrophenlage: Die Natur ist hier keine bloße Kulisse, sondern eine bedrohliche Macht, die alles verändert. Genau solche Momente machen deutlich, wie nah dieser Krimi an unserer Realität ist - gerade in Zeiten, in denen extreme Wetterereignisse leider immer häufiger werden.

Sehr geschickt eingeflochten sind die kursiv gesetzten Briefe aus der Vergangenheit. Sie erzeugen eine unterschwellige Spannung, werfen Fragen auf und entfalten ihre volle Wirkung erst nach und nach. Als sich die Zusammenhänge schließlich offenbaren, wird klar, wie tief die Tragödie reicht.

Für mich ist Grenzfall ein extrem gut geschriebener Krimi, der Spannung und gesellschaftliche Aktualität eindrucksvoll verbindet. Ein Buch, das man kaum aus der Hand legen kann - und das noch lange nachhallt. Klare Empfehlung.