Eine Irrfahrt ins Ungewisse

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Diese Leseprobe aus Esther Schüttpelz’ Roman »Die grüne Welle« hinterlässt bei mir einen atmosphärisch dichten und psychologisch feinfühligen Eindruck. Die Erzählung beginnt als alltägliche nächtliche Autofahrt, entwickelt sich jedoch schnell zu einer Studie über Entfremdung und den schleichenden Kontrollverlust im Leben der Protagonistin.

Der Schreibstil ist präzise. Schüttpelz verwendet viele Details, um die Situation greifbar zu machen. Auffällig ist die Verbindung von äußeren Beobachtungen und inneren Zuständen. Die Sprache wirkt ruhig, aber unter der Oberfläche fühlt man eine gewisse Unruhe brodeln. Dieser Stil trägt auch zur Spannung bei. Man erlebt in dem Text keine laute Action, vielmehr wird ein subtiles Gefühl der Bedrohung und Verunsicherung erzeugt.

Die beiden Charaktere - Frau und Ehemann - wirken auf mich authentisch und greifbar. Auch der Ehemann wird nicht klischiert als "böser Ehemann" beschrieben. Hier steckt eine psychologische Tiefe verborgen, die die Geschichte vorantreibt.

Diese psychologische Tiefe auf gleichem Niveau beizubehalten, wäre meine Erwartungshaltung an die Geschichte.

Die Leseprobe endet mit einer perfekten Ausgangslage für ein psychologisches Drama: Die Protagonistin ist allein im Dunkeln; ohne Orientierung und ohne Kommunikationsmittel. Man möchte unbedingt wissen, ob sie diese Situation nutzt, um wirklich zu verschwinden, oder ob sie unter dem Druck der erwarteten Konsequenzen zusammenbricht.

Das Foto, das für das Buchcover gewählt wurde, passt sehr gut. Eine autofahrende Frau mit Sonnenbrille (die Protagonistin fährt im Text in der Dunkelheit) und die metallicblaue B-Säule als prominentes visuelle Element (der metallicblaue Golf).