Spezieller Schreibstil, der für mich die unterdrückten Emotionen der Protagonistin widerspiegelt

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hapedah Avatar

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Das Cover passt zu der Geschichte, die der Klappentext andeutet, die etwas verschwommen dargestellte Frau, offensichtlich durch die Seitenscheibe ihres Autos betrachtet, wirkt flüchtig, vorüberziehend. Das grüne Licht, das ihr Gesicht beleuchtet und vom Fensterglas zu horizontalen Streifen reflektiert wird, zeigt ihre Geschwindigkeit an, für mich fasst dieses schlichte Bild den ersten Eindruck des Buches ganz wunderbar zusammen.
Die Leseprobe fand ich anfangs etwas sperrig geschrieben, erst nach und nach hat der Text seine Anziehungskraft auf mich entfaltet. Die Frau, deren Konzentration sich zunächst nur auf die Fahrtstrecke und einige oberflächliche Erinnerungen richtet, wirkte auf mich recht unpersönlich charakterisiert. Mit der Zeit ist mir aufgegangen, dass dieser emotionsarme Schreibstil wohl den Abstand verdeutlicht, den sie selbst zu ihrer Gefühlswelt hat. Die Gedanken an ihren Mann, dass sie ihn anrufen sollte, dass es ihm nicht gefällt, wenn sie sich monatlich mit einer Freundin zum Kinobesuch trifft, ließen in mir langsam die Ahnung aufsteigen, dass mit dieser Beziehung etwas ganz und gar nicht stimmt. Und so fährt sie immer weiter auf der ungeplanten Route, entfernt sich immer mehr von ihrer Heimatstadt und von ihm. Was mit einer falsch genommenen Abzweigung begann, scheint für die Frau der Weg in die Freiheit zu sein - dabei würde ich sie gern begleiten und herausfinden, wie sie sich ihrem Leben stellt und ob die Schreibweise sich verändert, sobald sie es wagt, ihre eigenen Emotionen an sich heran zu lassen.