Unheimlich normal
Hier wird keine Figur vorgestellt, es wird ein flackerndes Bild präsentiert. Eine Frau im Dunkeln, ein metallicblauer Golf-Kombi, ein Rolling-Stones-Aufkleber, eine Tür, die sich zu leicht öffnen lässt. Alles wirkt sofort ein bisschen wacklig, als hätte es irgendwo einen kleinen Riss. Der Text baut daraus leise Spannung, weil er das Unsichere nicht groß ankündigt.
Auffällig ist der Erzählstil, der wie eine sehr genaue Kamera funktioniert. Er bleibt dicht an den Bewegungen, an den Handgriffen, an dem, was man sieht und hört. Selbst die kleine Tasche bekommt ihr Gewicht, als müsste jedes Detail festgehalten werden, damit die Szene nicht wegkippt. Dadurch entsteht ein eigenartiger Sog: Man schaut mit, man zählt innerlich mit, man wartet auf den Moment, in dem etwas aus der Spur gerät. Das ist sehr interessant, weil aus dem Klappentext schon klar ist, dass etwas nicht stimmt. Lesende haben hier also bereits ein besonderes Gespür...
Der Moment kommt über die Umleitung. Eine Straße ist plötzlich aufgerissen wie eine Schlucht, Schilder geben Richtung vor, und der Golf rollt „ganz brav“ weiter, als wäre Gehorsam schon Sicherheit. Gleichzeitig mischt sich das Gestern in das Jetzt. Die Frau erkennt Straßen, obwohl sie dort „ewig“ nicht mehr war, und eine Erinnerung blitzt auf, die sofort wieder unangenehm wird: Das Jungsein ist vorbei, andere sitzen heute in denselben Küchen und übernehmen einfach die Plätze. Das ist ein fast kindlicher Gedanke, sehr direkt, sehr hart, weil er keine Trostschicht hat.
Später wird die Szene enger, obwohl die Straße geradeaus führt. Eine rote Ampel, der Fahrstuhljazz, das Wissen um das unverriegelbare Auto. Plötzlich fühlt sich ein Knöpfchen, das man gern drücken würde, wie etwas Kostbares an. Der Text trifft hier sehr genau dieses nächtliche Kopfkino, in dem ein ganz normaler Ort auf einmal bedrohlich wirkt, weil man zu lange stehen bleiben muss.
Der Leseeindruck bleibt deshalb hängen, weil er aus Alltagszeug Spannung macht. Eine Umleitung wird zum kleinen Labyrinth, eine Entscheidung zwischen zwei Abfahrten wird zum Test, und das Kribbeln zwischen den Schulterblättern sagt mehr als jede Erklärung. Man liest weiter, weil man wissen will, wohin diese Straße führt und was in dieser Frau gerade wach wird.
Auffällig ist der Erzählstil, der wie eine sehr genaue Kamera funktioniert. Er bleibt dicht an den Bewegungen, an den Handgriffen, an dem, was man sieht und hört. Selbst die kleine Tasche bekommt ihr Gewicht, als müsste jedes Detail festgehalten werden, damit die Szene nicht wegkippt. Dadurch entsteht ein eigenartiger Sog: Man schaut mit, man zählt innerlich mit, man wartet auf den Moment, in dem etwas aus der Spur gerät. Das ist sehr interessant, weil aus dem Klappentext schon klar ist, dass etwas nicht stimmt. Lesende haben hier also bereits ein besonderes Gespür...
Der Moment kommt über die Umleitung. Eine Straße ist plötzlich aufgerissen wie eine Schlucht, Schilder geben Richtung vor, und der Golf rollt „ganz brav“ weiter, als wäre Gehorsam schon Sicherheit. Gleichzeitig mischt sich das Gestern in das Jetzt. Die Frau erkennt Straßen, obwohl sie dort „ewig“ nicht mehr war, und eine Erinnerung blitzt auf, die sofort wieder unangenehm wird: Das Jungsein ist vorbei, andere sitzen heute in denselben Küchen und übernehmen einfach die Plätze. Das ist ein fast kindlicher Gedanke, sehr direkt, sehr hart, weil er keine Trostschicht hat.
Später wird die Szene enger, obwohl die Straße geradeaus führt. Eine rote Ampel, der Fahrstuhljazz, das Wissen um das unverriegelbare Auto. Plötzlich fühlt sich ein Knöpfchen, das man gern drücken würde, wie etwas Kostbares an. Der Text trifft hier sehr genau dieses nächtliche Kopfkino, in dem ein ganz normaler Ort auf einmal bedrohlich wirkt, weil man zu lange stehen bleiben muss.
Der Leseeindruck bleibt deshalb hängen, weil er aus Alltagszeug Spannung macht. Eine Umleitung wird zum kleinen Labyrinth, eine Entscheidung zwischen zwei Abfahrten wird zum Test, und das Kribbeln zwischen den Schulterblättern sagt mehr als jede Erklärung. Man liest weiter, weil man wissen will, wohin diese Straße führt und was in dieser Frau gerade wach wird.