Ein besonderer Roadtrip

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anna.liest Avatar

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Nach einem Kinoabend steigt eine Frau in ihren alten Golf und fährt los – eigentlich nur nach Hause. Doch sie verpasst die Abfahrt, dann die nächste, und plötzlich folgt sie einfach der „grünen Welle“ durch die Nacht. Aus einer scheinbar spontanen Entscheidung entwickelt sich eine längere Fahrt, die immer mehr zu einem inneren Prozess wird. Während die Kilometer vorbeiziehen, denkt sie über ihr Leben nach: über ihre Beziehung, Erwartungen und die Rolle, in die sie sich selbst gebracht hat.

Die nächtliche Autobahn und der begrenzte Raum des Autos schaffen eine dichte Atmosphäre. Gleichzeitig wird dieser Raum zu einem Rückzugsort, in dem Erinnerungen und Zweifel auftauchen. Lange begleitet die Frage die Geschichte, warum die Protagonistin nicht einfach umkehrt. Antworten entstehen nur nach und nach, oft eher zwischen den Zeilen als in klaren Erklärungen.

Der Roman lebt weniger von äußerer Handlung. Innerlich passiert dagegen sehr viel in der Frau. Obwohl man der namenlosen Hauptfigur nicht wirklich nahe kommt, wirkt sie in ihrem Verhalten und ihrer Entwicklung sehr menschlich und nachvollziehbar. Mit ruhiger, atmosphärischer Sprache baut die Autorin eine stetige Spannung auf und zeichnet einen Roadtrip, der sich zugleich wie eine Reise zu sich selbst anfühlt.