Ein intensiver, kluger Sog

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stoepfel Avatar

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Dieses Buch hat seinen eigenen Reiz. Aus einer Art Vogelperspektive beschrieben, seltsam nüchtern und dennoch sezierend, bisweilen philosophierend und sich in Schachtelsätzen verfangend.
Schnell wird klar, dass es hier um mehr geht als einen Roadtrip ins Ungewisse.
Die scheinbare Suche nach einem Weg nach Hause, einem Ziel - für mich eine große Metapher, die auch schnell offensichtlich ist und dennoch verblüffend gut funktioniert.

Die Frau bleibt nicht allein, die Perspektiven wechseln. Geschickt, ohne Dinge wirklich zu benennen, offenbaren sich Innensichten. Der Schreibstil wird nüchterner, parallele Ereignisse zur baustellenbedingten Auto-Odyssee nehmen dramatisch Fahrt auf.

Inhaltlich kann man hier, ohne zu spoilern, nicht viel schreiben. Und inhaltliches Spoilern wäre ein Frevel an dieser kunstvoll gewobenen Parabel, die mich zum Schluss die Luft hat anhalten lassen.

Sorgten am Anfang noch einige philosophische Längen, bisweilen fast bis zur Unkenntlichkeit verschachtelte Sätze für einen leise grummelnden Unmut beim Lesen, schwand dieses Gefühl gegen Ende, als der Sog mich endgültig gefangen hatte, einem klaren Verstehen.

Ja, das Buch hat eine Sogwirkung und das ist gut, denn es ist stark und klug.
Ich wünsche ihm Frauen wie die, die an der Baustellenumleitung scheinbar scheiternde, Freundinnen von solchen Frauen, die mit ihnen ins Kino gehen und Menschen wie die Große und die Kleine, die Botschaft Verstehende.

Ich danke dem Verlag und vorablesen.de für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.