Ein Roadnovel, das neue Wege einschlägt

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chimichurri Avatar

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Minutiös und in langen Sätzen wird hier von einer Autofahrt erzählt, die zur Flucht wird - oder auch nicht? Die Grundidee des Romans hat mich sofort für ihn eingenommen und dann ist er auch in der Ausführung ganz einzigartig. Die Erzählperspektive changiert zwischen Nähe und Distanz, scheint irgendwie über dem alten Golf zu schweben: Mal lesen wir den inneren Monolog der Frau, dann wird wieder völlig unbeteiligt von außen über sie gesprochen. Ihren echten Namen erfahren wir nie. Das war einerseits interessant, führte aber auch dazu, dass sie mir beim Lesen seltsam fremd blieb. Immer wieder bin ich mental ein bisschen abgedriftet. Die Situation mit dem kontrollierenden, gewalttätigen Partner - vor ihm flieht sie - fand ich spannend. Über das Verhältnis der beiden wurde allerdings kaum etwas erzählt - vielleicht auch, um nicht in eine voyeuristische Perspektive abzugleiten, dem Mann nicht zu viel Raum zu geben? Gefallen hat mir dafür, dass sich der Roman der Freundschaft zwischen den zwei Frauen ausführlicher gewidmet hat, gerade weil die Geschichte der Freundin zum Schluss eine recht überraschende Wendungen nimmt - von wegen 'Sympathy for the Devil'. Wie die Autorin mit Songtiteln spielt, fand ich ebenfalls toll. Grüne Welle bringt das Material für ein typisches Roadnovel mit - da sind zwei jugendliche Tramperinnen, ein überfahrenes Reh und ein Fast-Auffahrunfall -, fühlt sich aber doch völlig neu und anders an. Ein ungewöhnliches, ungewohntes Buch, das für mich nicht ganz leicht zu lesen war, über das ich mich aber gerne mit anderen austauschen würde.