Fahren ohne Halt

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vanessa_91 Avatar

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Meine Meinung

"Bei der nächsten roten Ampel würde sie wenden." (ZITAT)

"Grüne Welle" hat mich zuerst aufgrund des Klappentextes fasziniert. Während des Lesens hat mich der Roman vor allem aufgrund seiner stillen Intensität gepackt. Die (zuerst) namenlose Protagonistin, die sich nach einem Kinobesuch in der Nacht "verfährt" und einfach weiterfährt, wurde für mich zu einer Projektionsfläche für innere Unruhe, die Lust auszubrechen und unterschwellige Sehnsucht, Ängste, Sorgen, Belastungen. Je länger ich lese, desto stärker spüre ich dieses Gefühl des Getriebenseins, die Weiterfahrt ohne Halt (mit Tankstop), das gleichzeitig befreiend und beunruhigend wirkt.

Die Sprache ist knapp, direkt, eindringlich. Vieles bleibt unausgesprochen und offen, was ich in diesem Roman aber nicht als störend empfand.

"Es kam ihr vor, als würde die kleinste Bewegung die ganze Aufmerksamkeit der Welt auf sie ziehen, als würde sie dadurch ihre Schuld anerkennen, nicht nur für den Tod des Rehs, das sie betrachtete wie ein Gemälde, sondern für alles erdenklich andere auch."

P.s: Ich hätte es schön gefunden, wenn die Autorin ein anderes Ende mit den Jugendlichen gewählt hätte.


Über die Autorin

Esther Schüttpelz, geboren 1993 in Werne, studierte Jura in Münster und arbeitete als Rechtsanwältin, bevor sie freie Schriftstellerin wurde. Für ihren Roman ›Ohne mich‹ wurde sie 2023 mit dem Debütpreis der lit.Cologne ausgezeichnet. Sie lebt im Münsterland.

Quelle: Verlag / vlb