Falsch abbiegen
Diogenes hat immer interessante Autor/innen unter Vertrag. Esther Schüttpelz hat in ihrem Roman 'Grüne Welle' ein literarisches Experiment verfasst. Sie konstruiert eine Geschichte und Personen, die wie aus einer Vogelperspektive beobachtet, eine Fahrt durch die Nacht unternehmen. Da fährt eine Frau, bedingt durch eine Umleitung, einfach immer weiter und es ist anfänglich geheimnisvoll: fährt sie von ihrem Mann davon, flieht sie oder will sie einfach in der Kapsel ihres Autos mittels innerer Monologe ihr Leben sortieren. Ist sie also bewusst oder versehentlich falsch abgebogen. Der Roman anonymisiert die Personen, so wird die nächtliche Reisende immer nur die Frau genannt oder der Ehegatte bleibt der namenlose Mann der Frau und da ist dann noch die Freundin der Frau. Im Laufe der Fahrt erhalten die Personen ein wenig Kontur, deuten die Monologe auch die persönlichen Beziehungen und Charakter an. Dabei bleiben sie jedoch auch stark stilisiert, da die Zusammenhänge und Geschehnisse relativ emotionslos beschrieben und dem/der Leser/In eine breit angelegte Interpretation möglich ist. Die Geschichte endet auch offen. Das kleine Büchlein umfasst knapp 200 Seiten, ist in kürzester Zeit gelesen und hat mit 25,00 Euro schon einen stolzen Preis.