Gedankenspiel

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jidewi Avatar

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Was wäre, wenn ich an der nächsten Kreuzung nicht links abbiege, sondern rechts? Und was wäre, wenn ich einfach so lange fahre, wie ich gerade Lust habe? Oder wenn ich einfach ans Meer fahre, denn in zwei Stunden bin ich da? Jeder hat sie schon einmal durchlebt, diese Gedanken während einer Autofahrt, animiert durch Musik, die Playlist, für die nie Zeit ist oder die schlichte Lust noch weiter zu fahren, ohne ersichtlichen Grund.

So ergeht es auch der Frau im Roman „Grüne Welle“, die bedingt durch eine Baustelle und die darauffolgenden Umleitungen nicht den Weg nach Hause fährt, sondern einfach weiter und somit sich selbst Raum gibt, für Reflexion, Zweifel, aber auch einem „was wäre wenn“. Eine grüne Welle löst die nächste ab und sie bemerkt, dass sie mehr ins Ungewisse zieht, als zurück nach Hause.

Esther Schüttpelz schafft eine ungewöhnliche Perspektive in ihrem Roman, distanziert, denn die Frau bleibt schlichtweg die Frau. Der Leser startet mittendrin, ohne Anlauf wird er hineingeworfen und findet sich wieder in ihrem Gedankenkonstrukt, dass sich vor und zurückwindet. Es enthüllt sehr viel Schmerz, Gewalt, Zweifel, aber auch eine Sicht auf eine starke Frau, die sich einfach auf dem Weg des Lebens selbst verloren hat. Anders, aneckend, dabei sehr nachvollziehbar und trotz der Distanz zur Frau bleibt ihre Geschichte nahbar, die Gefühlswelt authentisch und erlebbar. Eine Empfehlung für alle, die sich nach einer ungewöhnlichen Geschichte sehnen.