Leider nicht ganz ins Schwarze (in diesem Fall "Grüne") getroffen
Also, ich weiß nicht, wo ich bei diesem Roman anfangen soll. Einerseits ist es in einer höchst wunderbar präzisen, intellektuellen Sprache verfasst, was man heutzutage nur selten antrifft. Anderseits: Die gefühlt durchgehenden langen und komplizierten Sätze machen es etwas schwierig voranzukommen, auch wenn das Büchlein nur 200 Seiten hat. Ich musste mehrmals ganze Passagen durchlesen, um zu verstehen, was gerade passiert oder den Gedanken der Protagonistin zu folgen. Das Konfuse und Komplizierte bewegt sich Zeile um Zeile mit dem Geschehen. Es hat sich manchmal wie ein Krampf angefühlt, um bis ans nächste Kapitel durchzukommen. Wie dem auch sei, die Geschichte dreht sich um eine Frau mittleren Alters, die nach einem Kinoabend mit einer Freundin, anstatt nach Hause zu fahren immer wieder falsch abbiegt und so gänzlich die Stadt verlässt. Sie fährt die ganze Nacht durch und auch den darauffolgenden Tag. Wohin? Nirgendwohin! Unterwegs überfährt sie ein Reh, das sie in den Kofferraum packt und trifft auch noch zwei junge Mädels, die auch einfach mal Nirgendwohin trampen. Durch den Gedankenstrudel der Frau erfährt der Leser über ihre eigentlich gescheiterte Karriere als Künstlerin (mit ihrer Kunst greift sie übrigens das Thema "Feminismus" dermaßen an den Haaren herbeigezogen auf, sodass man nur noch mit dem Kopf schütteln kann) und den gewalttätigen Ehemann, von dem sie flüchtet. Aber sie flüchtet auch vor ihrem Selbst, wie man es zum Ende des Romans hin herausliest. Letztlich, und ach na so was, hatte sie nur überreagiert und eigentlich ist sie ja selbst an allem Schuld. Was passiert? Die Frau bekommt einen Anfall, dreht um und fährt, na wohin? Zurück nach Hause! Weil, ist doch alles nicht so tragisch. Und vielleicht sollte sie das Ganze mal von einer anderen Seite betrachten usw. usf. An sich hat der Roman etwas Interessantes an sich, und ich glaube, dass es eben die Sprache ist, in der er verfasst wurde. Die Künstlerkarriere und die häusliche Gewalt werden, aus meiner Sicht, zu oberflächlich behandelt. Aber offenbar soll das auch so sein, was etwas schade ist. Die Erzählstimme eines Dritten verstärkt das Gefühl der Distanz noch mehr. Viel Nachhall hinterlasst der Roman leider auch nicht. Von daher 2,5 Sterne.