Leiser, aber intensiver Female Rage!

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jadwiga Avatar

Von

Steig ein …
Komm mit
und gleite mit mir auf der grünen Welle der Erkenntnis.
Ein stiller, doch kraftvoller Roman von eindringlicher Intensität, der lange nachhallt.
Dieser Roman ist ein beinahe emotionslos geführter innerer Monolog und gerade deshalb fesselnd, überraschend und von eigentümlicher Tiefe. 4,5/5⭐️

. Aber worum geht es genau…
Nach dem allmonatlich Kinobesuch mit ihrer Freundin sollte die Frau eigentlich nach Hause fahren, doch dies ist nicht der Fall.
Sie setzt sich in ihren alten Golf und folgt der grünen Welle durch die Nacht.

. In „Grüne Welle“ begleiten wir „die Frau“, die uns als Erzählerin durch die Geschichte führt. Später tritt noch eine weitere Figur auf, doch das soll an dieser Stelle nicht vorweggenommen werden.
Denn Namen sind in diesem Roman letztlich Schall und Rauch. Eine namenlose Protagonistin und ebenso namenlose Nebenfiguren verleihen der Geschichte eine besondere psychologische Tiefe. Es spielt keine Rolle, wie die Frau oder die anderen heißen. Den in den gewisser Weise könnten sie in jedem von uns sein.
Durch die gewählte Perspektive richtet sich der Blick konsequent auf die innere Welt der Frau. Dabei wirkt sie stellenweise fast emotionslos, ausgelaugt, erschöpft und innerlich leer. Und doch entfaltet sich gerade darin das eindringliche Porträt eines Menschen, der einen stillen, aber unerbittlichen inneren Kampf führt.
Enttäuschung, Selbstentfremdung, Selbstzweifel und Selbsttäuschung haben längst die Oberhand gewonnen. Abseits dieser zentralen Gedanken gibt es kaum etwas, das ablenkt. Als Leser erleben wir nur das, was sich im jeweiligen Moment vor den Augen der Frau abspielt. Über den Weg, der sie hierher geführt hat, erfahren wir nur Bruchstücke.
Gerade diese scheinbare Monotonie erzeugt eine überraschend intensive Leseerfahrung.
Gefühle kommen, gehen und brechen vulkanartig über uns aus.
Unterschwellig stellt sich immer wieder dieselbe Frage: Wohin führt dieser Weg? Wird sich etwas verändern? Oder gibt es vielleicht sogar einen Weg zurück? Hochkonzentriert verfolgt man als Leser jede Zeile und jedes Wort in der Hoffnung, keinen entscheidenden Wendepunkt zu verpassen.
Meiner Ansicht nach deutet das Ende schließlich doch noch eine Richtung an,
die der Frau eine positive Zukunft eröffnen könnte. Doch letztlich bleibt diese Deutung offen und muss von jedem Leser für sich selbst gefunden werden.

. „Grüne Welle“ ist das
eindringliche Porträt des inneren Kampfes einer Frau, die sich selbst verloren hat.
Es ist kein Roman, den man nebenbei liest. Vielmehr ist es ein psychologisch dichtes Werk, das auf bemerkenswerte Weise die innere Zerrissenheit eines Menschen sichtbar macht.

. Trau dich – und lies „Grüne Welle“.